In Mehrfamilienhäusern wie Mietwohnanlagen ist ein gesicherter Fluchtweg für den Ernstfall – Erdbeben oder Brand – unverzichtbar. Besonders in höheren Gebäuden gilt die Fluchtleiter als lebenswichtige Einrichtung zum Schutz der Bewohner, weshalb das japanische Feuerschutzgesetz konkrete Vorgaben zu ihrer Installation macht. Eine vergleichbare Funktion übernimmt in Deutschland der sogenannte zweite Rettungsweg, dessen bauordnungsrechtliche Anforderungen allerdings anders ausgestaltet sind, wie im Folgenden deutlich wird.
Dieser Beitrag erklärt umfassend, welche Arten von Fluchtleitern es gibt, welche Installationsvorgaben gelten, wie man sie richtig bedient, welche Prüfpflichten bestehen und worauf man bei der Aufklärung der Bewohner achten sollte – kurz: alles, was Hausverwalter und Vermieter zu diesem Thema wissen müssen.
Die vier Arten von Fluchtleitern und ihre Merkmale
| Art | Merkmale | Einbauort |
|---|---|---|
| Hängeleiter mit Bodenklappe | Unter dem Balkonboden verstaut. Öffnet man die Klappe, fährt die Leiter aus. In Wohnanlagen die mit Abstand häufigste Bauform | Unter dem Balkonboden |
| Fest installierte Leiter | Fest am Gebäude montiert. Es gibt dauerhaft nutzbare sowie ausziehbare Varianten | Gebäudeaußenwand |
| Anlegeleiter | Wird im Notfall aus der Aufbewahrung geholt und ans Gebäude angelehnt. Sinnvoll, wenn eine feste Nachrüstung baulich schwierig ist | Separat gelagert |
| Hängeleiter am Geländer | Wird am Balkongeländer eingehängt und an der Wand entlang heruntergelassen. In einem eigenen Behälter verstaut | Balkonbereich |
In deutschen Mehrfamilienhäusern übernehmen ähnliche Funktionen meist bauliche Rettungswege wie das notwendige Treppenhaus oder mit der Feuerwehr abgestimmte Anleiterstellen; eine nach DIN 14094 genormte Steigleiter oder Rettungsleiter als eigenständiges Rettungsgerät findet sich hierzulande deutlich seltener als in japanischen Wohnanlagen, in denen die Hängeleiter zum Standardinventar praktisch jedes Balkons gehört.
Installationsvorgaben für Fluchtleitern nach dem Feuerschutzgesetz
Die Installationsvorgaben für Fluchtleitern sind in § 25 der Durchführungsverordnung zum Feuerschutzgesetz geregelt. Mehrfamilienhäuser wie Wohnanlagen fallen unter die Gebäudenutzungskategorie „5 (b), Wohnanlage", für die ab dem zweiten Obergeschoss oder in Kellergeschossen eine Installationspflicht besteht.
Ob und in welchem Umfang eine Installationspflicht besteht, hängt von Gebäudenutzung, Zahl der Bewohner und Geschosszahl ab. Fluchtleitern dürfen auch ab dem sechsten Obergeschoss installiert werden, während für Fluchtseile und Fluchttrittleitern eine Begrenzung der zulässigen Geschosszahl gilt – ein Punkt, der besondere Aufmerksamkeit verdient. Das deutsche Bauordnungsrecht verfolgt einen anderen Grundansatz: Nach der Musterbauordnung (§ 33 MBO) und den entsprechenden Landesbauordnungen muss für jede Nutzungseinheit grundsätzlich ein zweiter, unabhängiger Rettungsweg vorhanden sein – meist über eine zweite bauliche Treppe oder über eine mit Hubrettungsfahrzeugen der Feuerwehr erreichbare Stelle, statt über eine fest installierte Leiter am Gebäude.
Drei Fälle, in denen die Installationspflicht für Fluchtleitern entfällt
Sofern die tragende Konstruktion des Gebäudes feuerbeständig ausgeführt ist, entfällt die Installationspflicht, wenn einer der folgenden Fälle zutrifft.
Fall ①: Sicherung über Fluchttreppenhaus plus zwei unabhängige Fluchtwege
- Die direkt erreichbare Treppe ist als Fluchttreppenhaus oder besonderes Fluchttreppenhaus ausgeführt
- Eine Flucht über den Balkon ist wirksam möglich, oder es bestehen zwei unabhängige Fluchtrichtungen
- Der Innenausbau besteht aus schwer entflammbarem Material, oder es ist eine Sprinkleranlage installiert
- Wände und Decken sind feuerbeständig abgetrennt
Fall ②: Fluchtsicherung über den Balkon
- Ein ins Freie führender Balkon ist als wirksamer Fluchtweg ausgestaltet
- Vom Balkon aus ist eine Fluchtmöglichkeit bis auf ebene Erde sichergestellt
Fall ③: Direkte Treppe plus weniger als 30 Bewohner
- Jede Wohneinheit ist direkt mit der Treppe verbunden, wobei Öffnungen mit besonderen Brandschutzabschlüssen versehen sind
- Die direkt erreichbare Treppe entspricht einem Fluchttreppenhaus oder besonderen Fluchttreppenhaus
- Die Zahl der Bewohner liegt unter 30 Personen
Auch im deutschen Baurecht kann unter bestimmten Voraussetzungen auf einen zweiten baulichen Rettungsweg verzichtet werden, etwa wenn die Feuerwehr eine Nutzungseinheit über tragbare Leitern oder Hubrettungsfahrzeuge sicher erreichen kann – die konkreten Anforderungen legt allerdings die jeweilige Landesbauordnung fest und sie unterscheiden sich damit von Bundesland zu Bundesland.
Bedienung der Hängeleiter mit Bodenklappe: vier Schritte
Schritt 1: Die Bodenklappe öffnen
Zunächst die Kindersicherung (Kette oder Haken) lösen, erst dann die Klappe anheben. Wird die Klappe vor dem Lösen der Sicherung mit Gewalt geöffnet, besteht die Gefahr, sich die Finger einzuklemmen – deshalb ruhig und ohne Hektik vorgehen.
Schritt 2: Den Deckel arretieren
Öffnet man die Klappe bis auf 90 Grad, rastet sie automatisch ein. Bei den meisten Modellen öffnet sich mit dem oberen gleichzeitig auch der untere Deckel. Ohne vollständiges Öffnen lässt sich die Leiter nicht ausfahren – deshalb unbedingt öffnen, bis die Arretierung spürbar einrastet.
Schritt 3: Die Leiter ausfahren
Durch Drücken des Entriegelungsknopfs wird die Leiter ausgefahren. Vor dem Ausfahren unbedingt prüfen, ob sich im Stockwerk darunter Personen aufhalten. Befinden sich Hindernisse im Bereich der Leiter, lässt sie sich nicht ausfahren.
Schritt 4: Die Leiter hinabsteigen
Die Sprossen mit beiden Händen greifen und Stufe für Stufe hinabsteigen. Zu beachten:
- Feste Schuhe tragen (Hausschuhe, Sandalen oder Barfuß sind gefährlich)
- Gepäck vorab nach unten befördern (wer es auf dem Rücken trägt, kann beim Abstieg hängen bleiben)
- Die Leiter stets mit beiden Händen festhalten (der Abstieg mit nur einer Hand ist strikt zu unterlassen)
Fünf Vorsichtsmaßnahmen bei der Nutzung der Fluchtleiter
① Auf die Größe des Gepäcks achten
Die nutzbare Breite der Bodenklappe entspricht etwa der Breite einer Person. Wer mit sperrigem Gepäck hinabsteigt, bleibt nicht nur hängen, sondern riskiert auch, das Gleichgewicht zu verlieren und abzustürzen.
② Unbedingt das Stockwerk darunter auf Sicherheit prüfen
Vor dem Ausfahren der Leiter stets prüfen, ob sich im darunterliegenden Stockwerk Personen oder Hindernisse befinden.
③ Kinder mit Tragetuch oder Seil sichern
Babys und Kleinkinder vor dem Abstieg sicher mit einem Tragetuch oder einem Seil fixieren. Ein Kind mit nur einer Hand zu halten, während man mit der anderen die Leiter hinabsteigt, ist unbedingt zu vermeiden.
④ Beim Öffnen der Klappe nicht hektisch werden
Wird die Kindersicherung übersehen und die Klappe mit Gewalt geöffnet, drohen Fingerverletzungen.
⑤ Arbeitshandschuhe und feste Schuhe bereithalten
Leitern aus Edelstahl heizen sich im Sommer stark auf, sodass Verbrennungsgefahr besteht. Bewohner sollten deshalb darauf hingewiesen werden, Arbeitshandschuhe und feste Schuhe auf dem Balkon griffbereit zu halten.
Prüfpflicht und Kosten für Fluchtleitern
Prüfintervall
Nach § 17-3-3 des Feuerschutzgesetzes müssen Feuerlöscheinrichtungen einschließlich Fluchtleitern regelmäßig durch einen Feuerlöschtechniker oder eine für Brandschutzprüfungen qualifizierte Person geprüft werden.
- Gerätekontrolle: alle 6 Monate
- Gesamtprüfung: einmal jährlich
In Deutschland übernimmt eine vergleichbare Funktion die Prüfung durch eine Fachkraft beziehungsweise einen Sachkundigen für Rettungsgeräte im Rahmen der allgemeinen Brandschutzordnung – die genauen Prüfintervalle für Feuerlöscher, Rauchwarnmelder und sonstige Brandschutzeinrichtungen richten sich hier vor allem nach Herstellerangaben, DIN-Normen und den Vorgaben der zuständigen Landesbauordnung beziehungsweise Feuerwehr.
Ungefähre Prüfkosten
Für die Prüfung von Feuerlöschern, Brandmeldern und Fluchtgeräten in Mietwohnungen und Wohnanlagen liegt der Richtwert bei etwa 35.000 Yen. Da sich die Berechnungsweise von Anbieter zu Anbieter unterscheidet, empfiehlt es sich, Angebote mehrerer Firmen einzuholen.
So erkennt man, ob eine ordnungsgemäße Prüfung stattgefunden hat
- Prüfen, ob das Prüfpersonal über eine gültige Qualifikation verfügt
- Prüfen, ob die Kontrolle tatsächlich in allen Stockwerken durchgeführt wurde
- Prüfen, ob der Prüfbericht mit dem tatsächlichen Prüfergebnis übereinstimmt
Vier Punkte, die Bewohner unbedingt kennen sollten
- Keine Gegenstände im Bereich der Leiter abstellen — sonst lässt sich die Leiter im Notfall nicht ausfahren
- Die nutzbare Breite der Bodenklappe vorab kennen — um zu wissen, welches Gepäck im Ernstfall überhaupt hindurchpasst
- Im Sommer auf hohe Temperaturen achten — Arbeitshandschuhe und feste Schuhe werden empfohlen
- Nicht auf der Klappe spielen lassen — die Konstruktion unterscheidet sich von normalem Beton, Erschütterungen übertragen sich auf das darunterliegende Stockwerk
Weitere Fluchthilfen neben der Fluchtleiter
| Gerät | Merkmale | Zulässige Geschosse |
|---|---|---|
| Abseilgerät | Ein Seil wird am Körper befestigt, der Abstieg erfolgt durch das Eigengewicht mit gleichbleibender Geschwindigkeit | ab 2. Obergeschoss |
| Rettungsschlauch | Man gleitet im Inneren eines textilen Schlauchs hinab (senkrechte oder schräge Ausführung) | 2. bis 10. Obergeschoss |
| Rettungsrutsche | Ermöglicht die Evakuierung vieler Personen in kurzer Zeit | ab 2. Obergeschoss |
| Fluchttrittleiter | Treppenförmig mit Geländer. Ermöglicht einen sicheren, aufrechten Abstieg | Keller sowie 2. bis 3. Obergeschoss |
| Fluchtbrücke | Brücke zu einem benachbarten Gebäude. Erfordert vorherige gegenseitige Zustimmung | zwischen benachbarten Gebäuden |
| Fluchtseil | Abstieg an einem geknoteten Seil. Erfordert Armkraft | nur 2. Obergeschoss |
| Rutschstange | Abstieg an einer senkrechten Stange. Geschwindigkeit schwer zu kontrollieren | nur 2. Obergeschoss |
Fazit
Die Fluchtleiter ist eine zentrale Brandschutzeinrichtung zum Schutz der Bewohner einer Wohnanlage. Die Installationsvorgaben des Feuerschutzgesetzes korrekt zu verstehen, regelmäßige Prüfungen zuverlässig durchführen zu lassen und die Bewohner über die richtige Bedienung aufzuklären, gehört zu den zentralen Aufgaben von Vermietern und Eigentümergemeinschaften. Wer die dahinterstehenden Prinzipien kennt, erkennt zugleich, warum das deutsche Baurecht mit dem zweiten Rettungsweg strukturell einen anderen, aber im Ziel vergleichbaren Weg verfolgt.
Die INA&Associates K.K. bietet eine umfassende Verwaltung von Mietobjekten einschließlich des Brandschutz-Managements an. Bei Fragen zur Installation oder Prüfung von Fluchthilfen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
