Um bei der Wahl einer Eigentumswohnung keine Fehlentscheidung zu treffen, braucht es systematisches Wissen: vom richtigen Lesen des Grundrisses bis hin zur Auswahl eines Layouts, das wirklich zum eigenen Lebensstil passt. Japanische Grundrisspläne verwenden dabei eigene Abkürzungen und Bezeichnungen, die sich von den in Deutschland üblichen Angaben in Quadratmetern und Zimmerzahl deutlich unterscheiden.
Kennen Sie die Abkürzungen auf japanischen Grundrisszeichnungen wirklich genau?
Auf japanischen Grundrisszeichnungen werden zahlreiche Abkürzungen verwendet. Die wichtigsten davon im Überblick:
- R (Room, Zimmer): Diese Abkürzung wird ausschließlich bei der Wohnungsbezeichnung 1R verwendet, einem einzelnen Wohnraum ohne separate Küche.
- L (Living, Wohnzimmer): der Bereich zum Entspannen und Wohnen.
- D (Dining, Esszimmer): der Bereich zum Essen.
- K (Kitchen, Küche): der Bereich zum Kochen.
- S (Service Room, Nebenraum): ein Raum, der die baurechtlichen Mindestanforderungen an Belichtung und Belüftung für einen regulären Wohnraum nicht erfüllt.
- WIC (Walk-in Closet, begehbarer Schrank): ein Abstellraum, der groß genug ist, um hineinzugehen.
- N (Nando, Abstellraum) oder ST: ein Raum, der ausschließlich zur Aufbewahrung dient.
- UB (Unit Bath, Sanitärzelle): das Badezimmer, das in Varianten mit einer, zwei oder drei kombinierten Funktionen (Bad, WC, Waschbecken) vorkommt.
- DEN: ein kleiner Raum für ein Arbeitszimmer oder Hobbys, der ebenfalls nicht als regulärer Wohnraum zählt.
Weitere nützliche Abkürzungen sind W (Stellplatz für die Waschmaschine), R (Stellplatz für den Kühlschrank), PS (Installationsschacht für Rohrleitungen) und SIC (begehbarer Schuhschrank direkt am Eingang).
Welche Grundrisstypen gibt es bei japanischen Eigentumswohnungen?
Der "Ta-no-ji"-Typ (kreuzförmiger Grundriss)
Dies ist der klassischste und verbreitetste Grundrisstyp. Ein zentraler Flur trennt zusammen mit dem Sanitärbereich die einzelnen Wohnräume, wobei sich derselbe Grundriss bei den darüber, darunter sowie links und rechts liegenden Wohnungen wiederholt. Dieses Muster begünstigt einen guten Schallschutz zwischen den Einheiten, hat jedoch den Nachteil, dass Räume mit Fenstern zum Außenflur weniger Privatsphäre bieten.
Der Wide-Span-Typ (breite Balkonfront)
Bei diesem Typ ist die balkonseitige Front besonders breit angelegt, in der Regel mehr als sieben Meter, sodass mehrere Wohnräume zur Südseite ausgerichtet sind und dadurch besonders viel Licht und gute Durchlüftung bieten. Dieser Grundriss ist bei Familien beliebt, die viel Wert auf gemeinsame Zeit legen, erfordert im Sommer jedoch besondere Aufmerksamkeit wegen der Hitze und bei Besuch wegen der eingeschränkten Privatsphäre.
Der Center-in-Typ (zentraler Eingang)
Hier liegt der Eingang nahe der Mitte der Wohnung, sodass sich Gemeinschafts- und Privatbereiche klar voneinander trennen lassen. Die Flurwege sind kurz und die Wegeführung besonders effizient, allerdings kommt dieser Grundriss überwiegend bei hochwertigen Eigentumswohnungen vor, weshalb sowohl Miete als auch Kaufpreis entsprechend höher ausfallen.
Eckwohnungen
Da bei Eckwohnungen drei Seiten an die Außenluft grenzen, sind Besonnung und Durchlüftung besonders gut, und es gibt nur eine einzige angrenzende Nachbarwohnung, was die Privatsphäre begünstigt. Zu beachten ist allerdings, dass die Wärmedämmung im Vergleich zu mittig gelegenen Wohnungen schwächer ausfällt, was zu höheren Energiekosten führen kann.
Welcher Grundriss passt zu welcher Lebensphase?
Je nach Lebensphase verändert sich auch der optimale Grundriss.
- Alleinlebende: 1R bis 1DK (bei Fokus auf niedrige Kosten eignet sich 1R, wer Wert auf Kochmöglichkeit und Privatsphäre legt, ist mit 1K bis 1DK besser bedient).
- Paare und junge Ehepaare: 1LDK bis 2DK.
- Familien mit Kindern bis zum Grundschulalter: 2LDK, bei mehreren Kindern eher 3LDK.
- Familien mit Kindern in der Mittel- oder Oberstufe: 2LDK bis 3LDK, wobei eigene Zimmer für die Kinder wichtig werden.
- Paare, deren Kinder bereits ausgezogen sind: 1LDK bis 2LDK, wobei sich auch eine Verkleinerung auf eine leichter zu pflegende Wohnfläche anbietet.
- Wer künftig mit den eigenen Eltern zusammenleben möchte: 2LDK oder größer.
Angesichts möglicher künftiger Veränderungen in der Familiengröße kann es sich auch lohnen, von vornherein einen Grundriss mit einer Stufe mehr Wohnraum zu wählen.
Worauf sollten Sie bei der Wahl eines praktischen Grundrisses achten?
- Stauraum: Als Richtwert gelten etwa 8 Prozent der Gesamtfläche. Wer viele Hobbys hat, sollte großzügiger planen.
- Wegeführung im Alltag: Prüfen Sie bei der Besichtigung die Wege vom Einkauf zum Stauraum und von der Wäsche zur Trockenfläche.
- Abgeschlossenheit der Räume: Wanddicke, Schallschutz sowie Trennung durch Türen oder Schränke.
- Vorstehende Säulen und Deckenbalken: Diese lassen sich anhand von Unterschieden bei der in den Plänen angegebenen Deckenhöhe (CH) erkennen.
- Lage innerhalb des Gebäudes: Meiden Sie Bereiche wie direkt vor der Aufzugshalle, wo es tendenziell lauter zugeht.
Aus Sicht der Differenzierungsstrategien in der Vermietungsbranche ist ein Grundrissangebot, das zum Lebensstil der jeweiligen Zielgruppe passt, zugleich ein wirksames Mittel gegen Leerstand.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F1. Was ist größer: 1LDK oder 2DK?
Bei 1LDK muss der kombinierte Wohn-Ess-Küchenbereich mindestens 8 Tatami-Matten groß sein (rund 13 Quadratmeter), während der entsprechende Bereich bei 2DK nur 4,5 bis 8 Tatami-Matten umfasst. Dadurch ist 1LDK in vielen Fällen großzügiger. Da die Gesamtfläche jedoch von Objekt zu Objekt unterschiedlich ist, sollten Sie stets die tatsächliche Quadratmeterzahl prüfen.
F2. Kann der mit S gekennzeichnete Raum als vollwertiges Zimmer genutzt werden?
Der mit S bezeichnete Nebenraum erfüllt die baurechtlichen Anforderungen an Belichtung und Belüftung für reguläre Wohnräume nicht. In der Praxis wird er häufig als Abstellraum, Arbeitszimmer oder Kinderzimmer genutzt, gilt formal jedoch nicht als eigenständiger Wohnraum.
F3. Ist die Geräuschübertragung beim Ta-no-ji-Grundriss besonders stark?
Da beim Ta-no-ji-Typ die darüber, darunter sowie links und rechts liegenden Wohnungen denselben Grundriss haben, liegen Wohnzimmer selten direkt neben Wohnzimmern und Schlafzimmer selten direkt neben Schlafzimmern. Wichtig ist trotzdem, die Schalldämmwerte von Wänden und Böden (L-Wert und D-Wert) zu prüfen.
F4. Lässt sich der Grundriss einer Eigentumswohnung nachträglich verändern (Renovierung)?
Bei Eigentumswohnungen sind Grundrissänderungen innerhalb der Grenzen der Hausordnung in manchen Fällen möglich. Einschränkungen ergeben sich jedoch aus der Lage tragender Wände und Installationsschächte. Bei Mietwohnungen sind solche Änderungen grundsätzlich nicht gestattet.
F5. Worauf sollte man bei der Wahl einer Eigentumswohnung im Hinblick auf das Alter achten?
Wichtig sind ein stufenloser, ebener Wegeverlauf, das Vorhandensein und die Lage eines Aufzugs sowie ausreichend Platz für spätere Haltegriffe. Empfehlenswert sind Wohnungen, die bereits barrierefrei ausgestattet sind, oder Grundrisse, die sich später leicht entsprechend umbauen lassen.
