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Sashine – die japanische Preisverhandlung für Immobilieninvestoren|Techniken für eine höhere Erfolgsquote und wirksame Verhandlungshebel

Für Immobilieninvestoren erklärt: Grundstrategie und Erfolgstechniken des japanischen sashine (指値). Von Nachlass-Faustregel über Verkäuferanalyse bis zu Verhandlungshebeln und Investitionsnutzen – mit Vergleichen für DACH-Leser. INA&Associates

Zuletzt aktualisiert: Etwa 4 Min. Lesezeit

Bei Immobilieninvestments senkt jeder Euro, den Sie beim Ankaufspreis einsparen, direkt die Kapitalbindung, hebt die Rendite und verkürzt die Amortisationsdauer. Der Schlüssel dazu ist in Japan das sogenannte sashine (指値) – das aktive Nennen eines eigenen Zielpreises durch den Käufer, um eine Preisreduktion auszuhandeln. Für Leserinnen und Leser aus dem deutschsprachigen Raum (DACH) ist das zunächst ungewohnt formalisiert: Anders als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, wo ein Preisnachlass meist informell zwischen Makler und Interessent verhandelt wird, folgt das japanische sashine einer eigenen Etikette und wird oft schriftlich über ein Kaufantragsformular eingeleitet. Dieser Beitrag erklärt aus der Perspektive von Immobilieninvestoren die Grundstrategie der sashine-Verhandlung, die Techniken zur Erhöhung der Erfolgsquote und die Nutzung konkreter Verhandlungshebel.

Was bedeutet sashine beim Immobilieninvestment?

Sashine (指値) bezeichnet die Situation, in der der Käufer einen konkreten Kaufpreis nennt und mit dem Verkäufer eine Preissenkung aushandelt. Für Immobilien existiert kein Festpreis, und der Verkäufer legt den Angebotspreis frei fest. Vor diesem Hintergrund ist es eine gängige Geschäftspraxis, die Angemessenheit des Preises zu prüfen und erst dann in die Verhandlung zu gehen. Das entspricht im Kern dem, was DACH-Investoren als Verhandlung über den Angebotspreis gegenüber dem realistischen Verkehrswert kennen – nur dass in Japan der erste Aufschlag des Verkäufers häufig bewusst als Verhandlungspuffer kalkuliert ist.

Allerdings gehört zum sashine eine ausgeprägte Etikette. Es geht nicht darum, den eigenen Wunschpreis einseitig durchzudrücken, sondern darum, eine konkrete, nachvollziehbare Begründung für den Nachlass vorzulegen und auf dieser Basis zu verhandeln. Ob der Verkäufer darauf eingeht, bleibt seine Entscheidung. In den folgenden Konstellationen ist ein sashine erfahrungsgemäß schwierig:

  • Wenn im selben Zeitraum mehrere Kaufinteressenten vorhanden sind (vergleichbar einer Bieterlage in gefragten DACH-Lagen)
  • Wenn der Verkäufer eine Restschuld aus einem Immobilienkredit hat und der Verkaufserlös zur vollständigen Tilgung reichen muss
  • Wenn der Verkäufer emotional oder aus Prinzip stark am Angebotspreis festhält

Wie hoch fällt ein realistisches sashine aus?

Als Faustregel der japanischen Immobilienbranche gilt: Ein Nachlass durch sashine liegt in der Größenordnung von rund 10 Prozent des Angebotspreises. Das ist jedoch keine feste Größe, sondern schwankt mit dem Zustand des Objekts und der Marktlage. Zum Vergleich: In vielen DACH-Märkten bewegt sich die typische Verhandlungsspanne bei Bestandsimmobilien je nach Standort zwischen 5 und 15 Prozent – die japanische Zehn-Prozent-Orientierung liegt also in einem ähnlichen Korridor, ist aber stärker als informelle Norm verankert.

MarktumfeldSchwierigkeit des sashineBegründung
Hochkonjunktur / gefragtes Objekthoch (schwierig)Viele Kaufinteressenten, der Preis wird tendenziell nach oben getrieben
Schwache Konjunktur / wenig gefragtes Objektniedrig (leicht)Der Verkäufer strebt einen raschen Verkauf an, käuferfreundliche Konditionen setzen sich eher durch

Welche Strategie führt zum erfolgreichen sashine?

Um die Erfolgsquote des sashine zu erhöhen, sind zwei Dinge entscheidend: das Verhandeln in ein Eins-zu-eins-Geschäft zu überführen und die Analyse des Verkäuferprofils. Beide Hebel unterscheiden sich spürbar von der DACH-Praxis, in der der Notar (Notar) und ein Makler den Ablauf stärker standardisieren.

相対取引に持ち込む – Das Geschäft in eine Eins-zu-eins-Verhandlung überführen

Sobald mehrere Kaufinteressenten auftreten, entsteht Konkurrenz, und das sashine wird schwierig. Die Grundstrategie lautet daher: solange noch keine Konkurrenz aufgetreten ist, zügig einen Kaufantrag (kaikomi-mōshikomisho, 買込申込書) einreichen und das Geschäft in eine Eins-zu-eins-Verhandlung überführen. Für DACH-Investoren ist das ein wichtiger Unterschied: Während hierzulande ein verbindliches Angebot oft erst nach eingehender Due Diligence und Finanzierungsbestätigung abgegeben wird, ist in Japan das frühe, aber noch unverbindliche Signalisieren der Kaufabsicht ein anerkanntes Mittel, um eine Bieterlage von vornherein zu vermeiden.

Das Profil des Verkäufers analysieren

Wie leicht sich ein sashine durchsetzen lässt, hängt stark vom Profil des Verkäufers ab.

  • Jinushi (地主, durch Erbschaft zum Eigentümer gewordener Grundbesitzer): häufig wenig vertraut mit dem An- und Verkauf von Immobilien und daher tendenziell verhandlungsbereit
  • Immobilieninvestor: verfügt über Marktgespür und eine begründete Preisvorstellung, weshalb Verhandlungen schwierig sind

Das Profil des Verkäufers lässt sich über den beglaubigten Grundbuchauszug (tōkibo tōhon, 登記簿謄本) ermitteln. Zeigt dieser eine Eigentumsübertragung durch Erbschaft und nur geringe Kreditbelastungen, deutet das auf einen jinushi hin. Anders als das deutsche Grundbuch, dessen Einsicht ein berechtigtes Interesse voraussetzt, ist der japanische tōkibo tōhon gegen eine geringe Gebühr grundsätzlich für jedermann einsehbar – ein für DACH-Investoren ungewohnt offener Zugang zu Eigentümer- und Belastungsdaten, der gezielt als Verhandlungsvorbereitung genutzt werden kann.

Welche Objekte lassen einen deutlichen Nachlass erwarten?

Bei Objekten aus dem freihändigen Notverkauf, bei lange am Markt verbliebenen Objekten und bei emotional erschöpften Verkäufern lässt sich ein besonders deutlicher Nachlass erwarten.

  • Nin'i-baikyaku-Objekt (任意売却, freihändiger Notverkauf): eine Immobilie, die nach ausbleibender Kredittilgung mit Zustimmung des Kreditinstituts freihändig veräußert wird. Solche Objekte liegen häufig rund 20 Prozent unter dem allgemeinen Marktniveau, und wegen des Bedarfs an rascher Liquidität ist die Bereitschaft zum sashine hoch. Wichtig für DACH-Leser: Anders als die deutsche Zwangsversteigerung, die gerichtlich über das Amtsgericht abgewickelt wird, ist der nin'i-baikyaku ein außergerichtlicher, freihändiger Verkauf, der den Zwangsverkauf gerade vermeiden soll – vergleichbar einem einvernehmlichen Notverkauf vor der Versteigerung
  • Objekt, das seit über einem Jahr im Angebot ist: Häufig liegt die Ursache in einem zu hoch angesetzten Angebotspreis, sodass das Objekt liegen bleibt. Je nach Verhandlung sind erhebliche Nachlässe möglich
  • Verkäufer, der ein Scheitern kurz vor dem Abschluss erlebt hat: psychisch erschöpft und daher bei klarer Bekundung einer verbindlichen Kaufabsicht eher bereit, auf ein sashine einzugehen. Voraussetzung ist allerdings ein belastbares Vertrauensverhältnis zum vermittelnden Maklerunternehmen

Welche Praxistechniken sollten Investoren kennen?

Für das sashine gibt es ein ganzes Spektrum an Techniken – von der auch für Einsteiger nutzbaren „Abschneide-Methode der obersten drei Stellen" bis hin zu anspruchsvolleren Ansätzen, die die Kooperation des Maklerunternehmens gewinnen.

Die obersten drei Stellen abschneiden

Bei dieser Methode wird die dritthöchste Ziffer abgeschnitten: aus 1億2,300万円 (123 Mio. JPY, ca. 724.000 €) werden 1億2,000万円 (120 Mio. JPY, ca. 706.000 €), aus 9,870万円 (98,7 Mio. JPY, ca. 581.000 €) werden 9,800万円 (98 Mio. JPY, ca. 576.000 €). Der Nachlassbetrag ist gering, die Erfolgsquote dafür hoch. Als letztes Mittel, wenn andere Verhandlungsansätze scheitern, ist die Methode wirkungsvoll. Für DACH-Investoren wirkt dieses Runden auf „glatte" Beträge vertraut – die japanische Zahlensystematik in man-Einheiten (万, jeweils 10.000) macht solche Rundungsschwellen jedoch an anderer Stelle sichtbar, als es das dezimale Denken in Tausendern gewohnt ist.

仲介会社を味方に付ける – Das Maklerunternehmen zum Verbündeten machen

Indem Sie Ihren Investment-Track-Record als Unterlage vorlegen und einen kontinuierlichen Austausch mit dem zuständigen Ansprechpartner pflegen, bauen Sie ein Vertrauensverhältnis auf. Eine aufrichtige Haltung ist der Schlüssel, um Kooperation zu gewinnen. Anders als in DACH-Märkten, wo der Makler rechtlich meist beiden Seiten oder überwiegend dem Verkäufer verpflichtet ist, kann ein japanisches Maklerunternehmen bei gepflegter Beziehung faktisch zum Fürsprecher des Käufers gegenüber dem Verkäufer werden.

Objekte erkennen, bei denen ein sashine leichtfällt

Objekte, deren Angebotspreis kaum vom Marktpreis abweicht, deuten häufig darauf hin, dass der Verkäufer die Preisfestsetzung vollständig dem Maklerunternehmen überlassen hat. In diesem Fall lässt sich ein Nachlass oft schon allein durch die Verhandlung mit dem Maklerunternehmen erzielen, ohne dass der Verkäufer selbst überzeugt werden muss.

Verhandlungshebel aus der Lage des Verkäufers ableiten

Bei Objekten mit zurückgelassenem Inventar (zanchi-butsu, 残置物) lässt sich ein deutlicher Nachlass aushandeln, indem der Käufer die Kosten der Räumung übernimmt und dies als Bedingung in die Verhandlung einbringt.

Welche drei Verhandlungshebel lassen sich beim sashine einsetzen?

Instandhaltungshistorie, Situation der Mieter und die maximale Kreditzusage der Bank sind drei starke Hebel, um das sashine zu Ihren Gunsten zu führen.

  • Instandhaltungshistorie: Nicht durchgeführte Großinstandsetzungen oder eine nachlässige Verwaltung lassen sich als Begründung für eine Preissenkung anführen. In DACH entspricht das dem Investitionsstau, der beim Ankauf als Wertabschlag geltend gemacht wird
  • Situation der Mieter: Ein bevorstehender Auszug oder ein Mieter, der gerade eine Mietminderung verhandelt, taugt als Verhandlungshebel. Das Maklerunternehmen ist zur Aufklärung verpflichtet, weshalb Sie dies unbedingt abfragen sollten
  • Maximale Kreditzusage der Bank: Die Differenz zwischen Angebotspreis und maximal finanzierbarer Summe dient als Verhandlungsgrundlage. Der objektive Beleg durch die „Bankprüfung" erhöht die Überzeugungskraft – ähnlich wie in DACH eine belastbare Finanzierungsbestätigung dem Käufer im Gespräch Gewicht verleiht

Welchen Investitionsnutzen bringt ein günstigerer Ankauf per sashine?

Ein niedrigerer Ankaufspreis bringt drei Vorteile: Spielraum für Renovierungskosten, höhere Mieterzufriedenheit und eine kürzere Amortisationsdauer.

  • Mittel für Renovierungen: Mit dem eingesparten Kapital lassen sich Ausstattung erneuern und Renovierungen durchführen, um stabile Mieteinnahmen zu sichern
  • Attraktivere Wohnungen anbieten: Durch ausreichende Renovierung sichern Sie sich einen Vorsprung gegenüber konkurrierenden Objekten
  • Schnellere Amortisation des Kaufpreises: Eine kürzere Amortisationsdauer erlaubt es, Gewinne zu realisieren, bevor die Instandhaltungskosten steigen

よくある質問(FAQ) – Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist ein sashine gegenüber dem Verkäufer unhöflich?

Beim Immobilienhandel, in dem kein Festpreis existiert, ist das sashine eine gängige Geschäftspraxis. Zur Etikette gehört allerdings, eine konkrete Begründung vorzulegen und die Verhandlung so zu führen, dass beide Seiten einen tragfähigen Kompromiss finden. Auch in DACH gilt Verhandeln als selbstverständlich – die japanische Höflichkeitskultur legt jedoch besonderen Wert darauf, das Gegenüber nicht bloßzustellen.

Gibt es günstige Zeitpunkte für ein sashine?

In Phasen eines schwachen Immobilienmarktes sowie in den Monaten März und September, wenn viele Maklerunternehmen vor dem Geschäftsjahresabschluss ihren Bestand bereinigen wollen, lassen sich Verhandlungen tendenziell leichter durchsetzen. Für DACH-Leser: Das japanische Geschäftsjahr endet üblicherweise am 31. März, weshalb der März dort die Rolle spielt, die andernorts der Jahresultimo einnimmt.

Ist ein sashine auch bei Neubauobjekten möglich?

Bei Neubauten setzt der Bauträger (Developer) den Preis fest, weshalb ein sashine im Vergleich zu Bestandsobjekten schwierig ist. Bei Bestandseinheiten aus fertiggestellten Projekten, die schon länger im Angebot sind, besteht jedoch Verhandlungsspielraum.

Was tun, wenn das sashine scheitert?

Die Verhandlung nicht erzwingen, sondern den Blick auch auf andere Objekte richten, ist eine wichtige Entscheidung. Weil am Markt fortlaufend neue Objekte auftauchen, liegt das Geheimnis erfolgreichen Investierens darin, sich nicht zu sehr an ein einzelnes Objekt zu klammern.

Daisuke Inazawa, President & CEO of INA&Associates Inc.

Autor

Präsident und CEOINA&Associates Inc.

Präsident und CEO der INA&Associates Inc. Verantwortet Immobilienvermittlung, Mietvermittlung und Property Management im Großraum Tokio sowie in der Region Kansai. Spezialisiert auf Investitionsstrategien für Renditeimmobilien und Beratung für ultravermögende Privatanleger.

Daisuke Inazawa ist Präsident und CEO der INA&Associates Inc., eines japanischen Immobilienunternehmens mit Hauptsitz in Osaka und einer Niederlassung in Tokio. Er verantwortet die drei Kerngeschäfte des Unternehmens — Immobilienvermittlung, Mietvermittlung und Property Management — im Großraum Tokio sowie in der Region Kansai.

Seine Expertisefelder umfassen Investitionsstrategien für ertragbringende Immobilien, Ertragsoptimierung im Mietgeschäft, Immobilienberatung für ultravermögende Privatpersonen (UHNWI) und institutionelle Investoren sowie grenzüberschreitende Immobilieninvestments. Er bietet datenbasierte Beratung mit langfristigem Horizont für Investoren in Japan und im Ausland.

Unter dem Leitbild „das wichtigste Vermögen eines Unternehmens sind seine Menschen" positioniert er INA&Associates als „Unternehmen für Investitionen in Humankapital" und engagiert sich für nachhaltige Unternehmenswertschöpfung durch die Entwicklung von Talenten. Als Unternehmer äußert er sich darüber hinaus regelmäßig zu Führung und Unternehmenskultur in Zeiten des Wandels.

Er hat elf japanische Berufsqualifikationen erworben: lizenzierter Immobilienmakler (Takken), zertifizierter Real Estate Consulting Master, lizenzierter Eigentumswohnungsverwalter, lizenzierter Supervisor für Gebäudeverwaltung, zertifizierter Mietverwalter, Gyōseishoshi (Verwaltungsjurist), zertifizierter Datenschutzbeauftragter, Brandschutzbeauftragter Klasse A, zertifizierter Spezialist für Zwangsversteigerungsimmobilien, zertifizierter Instandhaltungsingenieur für Eigentumswohnungen und lizenzierter Supervisor für Kreditgeschäfte.

  • Lizenzierter Immobilienmakler (Takken)
  • Zertifizierter Real Estate Consulting Master
  • Lizenzierter Eigentumswohnungsverwalter
  • Lizenzierter Supervisor für Gebäudeverwaltung
  • Zertifizierter Mietverwalter
  • Gyōseishoshi (Verwaltungsjurist)
  • Zertifizierter Datenschutzbeauftragter
  • Brandschutzbeauftragter Klasse A
  • Zertifizierter Spezialist für Zwangsversteigerungsimmobilien
  • Zertifizierter Instandhaltungsingenieur für Eigentumswohnungen
  • Lizenzierter Supervisor für Kreditgeschäfte