Wer in Japan eine Mietimmobilie besitzt, muss das Leerstandsrisiko aktiv steuern – und dafür ist eine strategisch geplante Mietersuche unverzichtbar. Dieser Leitfaden erklärt aus Sicht japanischer Profis das gesamte System der Mietergewinnung: die Wahl zwischen offenem und exklusivem Vermittlungsauftrag, die japanische Kostenstruktur, Methoden der Eigenakquise sowie die entscheidenden Kriterien bei der Beauftragung eines Maklerunternehmens. Für deutschsprachige Investoren (DACH) ist wichtig: In Japan läuft die Vermietung institutionell anders als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz – der Eigentümer bezahlt hier häufig die Vermittlungsleistung mit, und die Rollen von Erst- und Kundenmakler sind klar getrennt.
Welche Arten der Mietersuche gibt es? Offener und exklusiver Vermittlungsauftrag im Vergleich
Bei der Mietersuche in Japan unterscheidet man grundsätzlich zwei Formen: den offenen Auftrag (ippan-baikai, 一般媒介 – ein Mehrfachauftrag an mehrere Makler gleichzeitig) und den exklusiven Auftrag (sennin-baikai, 専任媒介 – ein Alleinauftrag an ein einziges Maklerunternehmen). Beide haben unterschiedliche Eigenschaften, und es ist entscheidend, je nach Lage und Zustand der Immobilie die passende Variante zu wählen. Anders als im deutschsprachigen Raum, wo Vermieter oft komplett ohne Makler über Portale wie ImmoScout selbst vermieten und das Bestellerprinzip die Maklerkosten dem Auftraggeber zuweist, ist die maklergestützte Vermittlung in Japan der Regelfall – die Frage lautet dort nicht „ob Makler", sondern „ein Makler oder mehrere".
| Kriterium | Offener Auftrag (ippan-baikai) | Exklusiver Auftrag (sennin-baikai) |
|---|---|---|
| Auftragnehmer | Mehrere Maklerunternehmen parallel | Nur ein einziges Unternehmen |
| Eigenakquise durch den Eigentümer | Möglich | Nicht möglich |
| Berichtspflicht über den Stand | Keine | Ja (regelmäßige Berichte) |
| Geschwindigkeit der Mietersuche | Große Sichtbarkeit, hohe Chance auf schnellen Abschluss | Ein Unternehmen arbeitet konzentriert daran |
| Aufwand für den Eigentümer | Anfragen und Schlüsselverwaltung selbst zu koordinieren | Kann alles an ein Unternehmen delegieren |
Wie ist die Kostenstruktur der Mietersuche aufgebaut?
Die Kosten der Mietersuche setzen sich in Japan aus drei Bausteinen zusammen: der Vermittlungsprovision (chūkai-tesūryō), der Werbekostenpauschale (kōkokuryō) und der sogenannten AD-Zahlung. Die Kostenstruktur exakt zu verstehen, ist der erste Schritt zur Maximierung der Rendite – und gerade für DACH-Investoren überraschend, weil hier der Eigentümer freiwillig Zusatzhonorare an Makler zahlt, um sein Objekt im Markt nach vorne zu bringen. In Deutschland wäre eine solche eigentümerseitige „Vermarktungsprämie" an den Makler unüblich; in Japan ist sie ein etabliertes Steuerungsinstrument gegen Leerstand.
- Vermittlungsprovision (chūkai-tesūryō, 仲介手数料): Nach dem japanischen Immobilienmaklergesetz (Takken-gyōhō, 宅地建物取引業法 – das Gesetz über das Immobilienvermittlungsgewerbe) ist pro Transaktion höchstens eine Monatsmiete (zzgl. Steuer) zulässig. Wird die Provision von beiden Seiten – Eigentümer und Mieter – erhoben, darf sie je Partei maximal eine halbe Monatsmiete betragen. Diese gesetzliche Deckelung ähnelt der Idee des deutschen Bestellerprinzips, ist aber anders austariert.
- Werbekostenpauschale (kōkokuryō, 広告料): Der übliche Satz liegt bei einer Monatsmiete (zzgl. Steuer). Wer eine solche Pauschale ansetzt, wird vom Makler bevorzugt präsentiert, was die Chance auf einen schnellen Abschluss erhöht. Bei lang anhaltendem Leerstand werden mitunter 1,5 bis 3 Monatsmieten angesetzt.
- AD-Zahlung (ādī, AD費用): Dies ist die Vergütung für den Kundenmakler (kyakuzuke-gyōsha – das Unternehmen, das dem Mietinteressenten die Wohnung zeigt). Zusätzlich zum Erstmakler (motozuke-gyōsha) zahlt man dem Kundenmakler eine AD-Zahlung von typischerweise einer Monatsmiete, um eine bevorzugte Präsentation zu fördern. Diese saubere Trennung zwischen Erst- und Kundenmakler ist ein japanisches Strukturmerkmal, das im DACH-Markt so nicht existiert.
Was sind die Hauptgründe, wenn sich kein Mieter findet?
Die Gründe für ausbleibende Mieter lassen sich auf vier Faktoren verdichten: Mietpreis, Ausstattung, Lage und Online-Sichtbarkeit.
- Die Miete weicht vom Marktniveau ab: Vergleichen Sie mit konkurrierenden Objekten in der Umgebung und setzen Sie eine angemessene, zu Grundriss und Baualter passende Miete an. Wer über dem Marktniveau ansetzt, muss durch eine Renovierung echten Mehrwert schaffen.
- Die Ausstattung entspricht nicht mehr den Bedürfnissen der Zeit: Elektrokochplatten, außen liegende Waschmaschinenstellplätze, japanische Tatami-Zimmer (washitsu, 和室 – traditionelle Räume mit Reisstrohmatten) und der veraltete Gasboiler „Balance-gama" (バランス釜) schrecken viele ab. Erwägen Sie den Wechsel zu Induktionskochfeldern oder den Umbau zu westlichen Zimmern. Für DACH-Leser: Solche Ausstattungsfragen sind in Japan kulturell aufgeladen – ein Tatami-Zimmer ist Tradition und Renovierungskostenfaktor zugleich, während in Deutschland eher Themen wie Einbauküche oder Energieeffizienz im Vordergrund stünden.
- Ungünstige Lage: Für Single-Haushalte zählen Bahnhofsnähe und nachts geöffnete Geschäfte, für Familien die Dichte von Kindergärten, Schulen und medizinischer Versorgung.
- Keine Objektdaten im Internet: Eine Immobilie, die man bei der Suche nicht findet, ist so gut wie nicht am Markt. Ein Eintrag mit Fotos und ausführlichen Details auf den Immobilienportalen ist unverzichtbar.
Welche konkreten Methoden gibt es für die Eigenakquise durch den Eigentümer?
Bei der Eigenakquise gewinnt man Mieter durch die Kombination der folgenden fünf Kanäle.
- Nutzung von Miet-Websites und Apps: Plattformen, auf denen sich Eigentümer direkt registrieren können, verschaffen den Objektdaten breite Reichweite.
- Akquise über Social Media: Objektfotos und Informationen zum Umfeld über Instagram oder X (früher Twitter) verbreiten. Besonders wirksam, um jüngere Zielgruppen zu erreichen.
- Empfehlungen bestehender Mieter: Wer sowohl dem empfehlenden als auch dem neuen Mieter eine Prämie bietet, löst eine Kette von Weiterempfehlungen aus.
- Kooperation mit der Universitäts-Genossenschaft: Zielt man auf Studierende, ist der Aushang beim daigaku-seikyō (大学生協 – die Konsumgenossenschaft der Universität, eine in Japan verbreitete studentische Wohnungsvermittlung) besonders effizient. Ein solches genossenschaftliches Vermittlungssystem für Studierende hat im DACH-Raum, wo Studierendenwerke Wohnheimplätze verwalten, nur eine entfernte Entsprechung.
- Verteilung von Flyern (Posting): Ansprache der Mieter vergleichbarer Objekte. Erstellen Sie einen Flyer mit Fotos, der die Stärken der Immobilie vermittelt.
Worauf achten bei der Auswahl des Maklerunternehmens für die Beauftragung?
Damit die Beauftragung eines Maklerunternehmens gelingt, sind drei Punkte entscheidend: die Erfolgsbilanz, die Online-Kompetenz und die Qualität der Objektpläne.
- Umfangreiche Erfolgsbilanz: Wählen Sie ein Unternehmen mit vielen Abschlüssen und Besichtigungen. Landesweit tätige Unternehmen verfügen auch über reichhaltiges Wissen zu lokalen Gegebenheiten.
- Grad der Online-Präsenz: Prüfen Sie die Qualität der Objektfotos, die Präsenz auf den großen Portalen und die Aussagekraft der Kommentare der zuständigen Sachbearbeiter.
- Verständlichkeit der Objektpläne: Unternehmen, die Pläne erstellen, aus denen Zimmertyp, Größe, Miete und Lage auf einen Blick ersichtlich sind, haben tendenziell eine höhere Akquisekraft.
Welche begleitenden Maßnahmen gegen Leerstand sollten Sie zusätzlich umsetzen?
Parallel zur Mietersuche lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit der Immobilie durch die folgenden Anti-Leerstand-Maßnahmen steigern.
- Einbau von Ausstattung mit hohem Kosten-Nutzen-Verhältnis: Kostenloses WLAN, Kabelfernsehen (CATV), Paketboxen und Klimaanlagen decken Mieterbedürfnisse zu geringen Kosten ab.
- Regelmäßige Reinigung der Gemeinschaftsflächen: Die Sauberkeit von Eingang, Fluren und Parkplatz senkt unmittelbar die Auszugsquote.
- Flexibilisierung der Anfangskosten: In gefragten Lagen ist „null shikikin, null reikin" (敷金・礼金ゼロ – Verzicht auf Kaution und das nicht rückzahlbare Schlüsselgeld) ein starkes Unterscheidungsmerkmal. Anders als die deutsche Mietkaution, die verzinst und bei ordnungsgemäßer Rückgabe zurückerstattet wird, ist das japanische reikin (礼金) ein an den Eigentümer gezahltes, grundsätzlich nicht erstattungsfähiges „Dankesgeld" – der Verzicht darauf ist deshalb ein echter, geldwerter Anreiz für Mieter.
- Lockerung der Einzugsbedingungen: Durch die Erweiterung der Zielgruppe – etwa Haustiere erlaubt, Aufnahme von Senioren und Ausländern – lässt sich das Leerstandsrisiko senken. Auch die Aufnahme ausländischer Mieter ist eine wirksame Strategie.
- Wertschöpfung durch Renovierung: Grenzen Sie sich von Konkurrenzobjekten gleichen Baualters ab und verwandeln Sie das Objekt in eines, das Mietinteressenten ins Auge fällt.
Fazit: Mit strategischer Mietersuche zu einer stabilen Mietverwaltung
Die Mietersuche verlangt einen vielschichtigen Ansatz: die Wahl zwischen offenem und exklusivem Auftrag, das Verständnis der Kostenstruktur, die Balance aus Eigenakquise und Beauftragung sowie die parallele Umsetzung von Anti-Leerstand-Maßnahmen. Stellen Sie eine auf die Eigenheiten Ihrer Immobilie zugeschnittene Vermarktungsstrategie zusammen und verwirklichen Sie eine stabile Mietverwaltung. Für Investoren aus dem DACH-Raum bedeutet das vor allem: Wer die spezifisch japanische Logik aus Erst- und Kundenmakler, AD-Zahlungen und reikin versteht, kann Leerstand deutlich gezielter steuern als mit den aus der Heimat gewohnten Mustern.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist besser – offener oder exklusiver Auftrag?
Wenn Sie schnell einen Mieter finden möchten, eignet sich der offene Auftrag; wenn Sie den Aufwand reduzieren möchten, der exklusive. Wählen Sie beim exklusiven Auftrag ein Maklerunternehmen mit nachweislicher Erfolgsbilanz und Reaktionsstärke sorgfältig aus.
Braucht man für die Eigenakquise eine Immobilienmaklerlizenz?
Wer die eigene Immobilie unmittelbar selbst vermietet, benötigt keine Takken-Lizenz (宅建免許 – die staatliche Zulassung für das Immobilienvermittlungsgewerbe). Da für die Erstellung des Mietvertrags jedoch juristisches Wissen erforderlich ist, empfiehlt sich die Beratung durch einen Fachmann. Anders als in Deutschland, wo private Vermietung ohnehin lizenzfrei ist, existiert in Japan überhaupt ein eigenes Lizenzsystem für die gewerbliche Vermittlung – die Eigenvermietung ist bewusst davon ausgenommen.
Muss die Werbekostenpauschale (AD) zwingend gezahlt werden?
Die AD-Zahlung ist nicht verpflichtend, doch wer sie ansetzt, wird vom Makler bevorzugt präsentiert, was die Abschlussgeschwindigkeit erhöht. Bei lang anhaltendem Leerstand lohnt es sich, sie in Betracht zu ziehen.
Welcher Kanal ist bei der Mietersuche am wirksamsten?
Aktuell ist das Internet (die Immobilienportale) am wirksamsten. Der Schlüssel zu einer höheren Resonanzquote liegt darin, Fotoqualität und Informationstiefe zu maximieren.
Was tun, wenn der Leerstand länger als ein halbes Jahr andauert?
Prüfen Sie schrittweise eine Überarbeitung der Miete, ein Upgrade der Ausstattung, den Austausch der Objektfotos und einen Wechsel des Maklerunternehmens. Auch eine Lockerung der Einzugsbedingungen und eine Renovierung sind wirksame Gegenmaßnahmen.


