Haben Sie schon einmal den Begriff « Workation » gehört?
Während sich die Covid-19-Pandemie in alle Lebensbereiche auswirkte und die Alltagsgewohnheiten veränderte, zählte die Workation zu den Konzepten, die in diesem Kontext an Aufmerksamkeit gewannen — auch vonseiten der Regierung.
Auf einer Pressekonferenz am 29. Juli 2020 erklärte die japanische Regierung, die Workation « als neuen Reise- und Arbeitsstil » fördern zu wollen.
Was genau steckt hinter diesem von der Regierung empfohlenen Konzept?
Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick.
Definition der Workation
Der Begriff « Workation » ist an sich nicht neu, wird aber erst in jüngerer Zeit wirklich ernsthaft diskutiert.
Hier die Grundinformationen zur Workation.
Was ist Workation?
Infolge der Pandemie haben viele Unternehmen Remote Work eingeführt — auch im büroorientierten Japan wurde die Infrastruktur für mobiles Arbeiten aufgebaut. Ähnlich wie die Go-To-Travel-Initiative soll die Workation außerdem dazu beitragen, den hart getroffenen Tourismussektor zu revitalisieren. Das ist ein weiterer Grund, warum Workation gefördert und empfohlen wird.
Herkunft des Begriffs
Workation ist ein Kofferwort aus « Work » und « Vacation ». Es bezeichnet eine Arbeitsform, bei der Urlaub und Berufstätigkeit kombiniert werden — etwa während einer Reise oder eines Heimatbesuchs.
Ursprünglich in den USA entstanden, ist das Konzept in Japan noch nicht weit verbreitet, doch die staatliche Unterstützung lässt auf eine wachsende Bekanntheit hoffen.
Workation als neues Arbeitsmodell
Die im April 2019 in Kraft getretene Arbeitsreform und die durch die Pandemie erzwungene Einführung von Remote Work haben die Bedingungen für neue Arbeitsmodelle geschaffen.
Japaner neigen kulturell dazu, längerem Urlaub zurückhaltend gegenüberzustehen, was die Urlaubsquote im internationalen Vergleich niedrig hält. Die Workation bietet einen Ausweg aus diesem Dilemma, indem sie Arbeit und Entspannung verbindet.
Eine Expedia-Studie von 2018 zeigte, dass Japan mit einer Urlaubsquote von nur 50 % das Schlusslicht unter 19 untersuchten Ländern bildete.
Unterschied zum Home-Office
Beim Home-Office und bei der Workation wird außerhalb des Büros gearbeitet. Der Unterschied liegt in der Ortsgebundenheit: Während Home-Office oft auf die eigene Wohnung beschränkt ist, erlaubt die Workation das Arbeiten am Urlaubsort — oder sogar während des Urlaubs selbst.
Vorteile der Workation
Für Unternehmen
① Förderung der Urlaubsnahme
Da Workation das Arbeiten auch während des Urlaubs ermöglicht, sinkt die Hemmschwelle, längere Auszeiten zu nehmen. Mindestaufgaben und Notfallreaktionen bleiben möglich, was die psychologische Hürde zur Urlaubsnahme senkt.
② Höhere Mitarbeiterbindung
Workation ermöglicht eine bessere Work-Life-Balance, steigert die Mitarbeiterzufriedenheit und verbessert letztlich die Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung.
③ Mehr Motivation und Leistung
Reisen fördern neue Ideen und Motivation. Ein Pilotversuch in Okinawa durch NTT Data Management Research Institute, JTB und JAL belegte nicht nur eine Stressreduktion, sondern auch eine messbare Leistungsverbesserung.
Für Mitarbeitende
Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
Workation ermöglicht Urlaub, ohne die Arbeit zu vernachlässigen — und eröffnet Raum für persönliche Aktivitäten und Erlebnisse.
Mehr Zeit mit der Familie
Längere Familienreisen werden einfacher möglich — besonders für Eltern mit kleinen Kindern.
Erholung und Erneuerung
Das Okinawa-Experiment zeigte eine Produktivitätssteigerung von 20,7 % und eine Stressreduktion von 37,3 %, mit Nachwirkungen über fünf Tage nach Rückkehr.
Für die öffentliche Hand
Belebung strukturschwacher Regionen
Workation erleichtert das Reisen in ländliche Gebiete und trägt zur ganzjährigen Belebung von Tourismusregionen bei.
Beschäftigungsimpulse
Wachsende Nachfrage im Gastgewerbe und in der Gastronomie schafft ganzjährige Beschäftigungsmöglichkeiten statt nur saisonaler Stellen.
Höhere Steuereinnahmen
Mehr wirtschaftliche Aktivität in den Regionen führt zu höheren kommunalen Steuereinnahmen — zum Nutzen der gesamten Bevölkerung.
Für Touristikanbieter
Verstetigung der Reisenachfrage
Workation glättet saisonale Nachfragespitzen und erschließt die werktägliche Nachfrage.
Förderung des Reisens
Die geringere psychologische Hemmschwelle kommt allen Touristikanbietern zugute.
Nachteile der Workation
Kommunikationsaufwand im Team
Die Kommunikation beschränkt sich auf Telefon, E-Mail und Chat — das erhöht den Abstimmungsaufwand gegenüber Büropräsenz oder Home-Office.
Herausforderungen bei der Arbeitszeiterfassung
Arbeitszeit, Arbeitsunfälle und Pendelkosten stellen komplexe Fragen. Unternehmen, die Workation einführen wollen, müssen ihre internen Richtlinien entsprechend anpassen.
Informationssicherheitsrisiken
Der Umgang mit vertraulichen Daten außerhalb des Büros und das Risiko von Geräteverlust oder -diebstahl sind reale Risiken. Unternehmen müssen klare Sicherheitsrichtlinien für die Workation festlegen.
Initiativen und konkrete Beispiele
Kommunale Workation-Vereinigung (WAJ)
Gegründet am 18. November 2019, vereint die WAJ rund 65 Gemeinden (1 Metropole, 6 Präfekturen, 58 Kommunen) zur Förderung der Workation in ganz Japan.
WORK×ation Site von Mitsubishi Estate
Mitsubishi Estate, einer der führenden japanischen Immobilienentwickler, betreibt eigene Workation-Standorte in touristisch attraktiven Lagen mit Coworking-Bereich, Konferenzräumen und WLAN.
Gesundheitsaspekte der Workation
Damit die Work-Life-Balance gewahrt bleibt, empfehlen Experten: feste Tagesroutinen beibehalten, Natur und Bewegung (Yoga, Spaziergänge) aktiv einbauen und nach Feierabend vollständig abschalten.
Wakayama — Vorreiterpräfektur
Wakayama ist die aktivste Präfektur bei der Förderung der Workation: 34 Unternehmen mit 326 Teilnehmenden im Jahr 2018, rund 200 in der ersten Jahreshälfte 2019.
JAL — Unternehmenspionier seit 2017
Japan Airlines führte Workation bereits 2017 als Teil der Arbeitsreform ein: 11 Teilnehmende (Sommer 2017), 78 (Sommer 2018) und 176 (2019).
Auswirkungen der Workation auf verschiedene Branchen
Immobilienwirtschaft
Workation-gerechte Immobilien sind noch rar. Die Immobilienbranche muss rasch reagieren, um die wachsende Nachfrage zu bedienen.
Hotelbranche
Workation kann die Reisenachfrage ankurbeln, über das Jahr verteilen und einen Beitrag zur Erholung der von der Pandemie schwer getroffenen Hotelbranche leisten.
Lokale Gastronomie
Workation bringt mehr Gäste in die lokale Gastronomie. Eine Kooperation zwischen Unterkunftsanbietern, Restaurants und Kommunen ist notwendig, um die Vorteile zu maximieren.
Fazit
Workation war lange ein Nischenthema, bevor die Pandemie und das Aufkommen von Remote Work es in den Mittelpunkt rückten.
Als Beitrag zur Arbeitsreform und zur Belebung des Inlandstourismus dürfte die Workation in Zukunft von immer mehr Unternehmen und Kommunen unterstützt werden.
Die Vorteile sind erheblich — doch die Einführung erfordert das gemeinsame Engagement von Unternehmen, Behörden, Immobilienwirtschaft und Touristikbranche.