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Shīringu: Japans elastische Fugendichtung – Typen, Verschleiß und Instandsetzung

Typen, Verschleißbilder und Instandsetzung der japanischen Fassadendichtung erklärt. Mit Kostenrichtwerten für Neuverfugung und Überfugung in Euro sowie Tipps zur Auswahl des Fachbetriebs – warum die erdbebengerechte Fuge für Immobilieninvestoren zählt.

Zuletzt aktualisiert: Etwa 3 Min. Lesezeit

Bei Fassadenanstrichen und Renovierungen fällt in Japan immer wieder ein Begriff: „Shīringu“ (シーリング, von englisch sealing), die elastische Fugendichtung. Sie erfüllt eine zentrale Aufgabe für die Wasserdichtigkeit und Luftdichtheit eines Gebäudes – und doch kennen die wenigsten Eigentümer ihre Typen und die richtige Instandsetzung. Für internationale Investoren, die japanische Immobilien halten, ist das mehr als eine handwerkliche Randnotiz: Die japanische Fugendichtung ist eng mit der erdbebengerechten Bauweise des Landes verknüpft und unterscheidet sich darin grundlegend von dem, was Leser im deutschsprachigen Raum (DACH) von ihren eigenen Gebäuden gewohnt sind. Dieser Beitrag erklärt Eigenschaften, Typen und Verschleißbilder der Dichtung sowie Instandsetzungsmethoden und die Auswahl eines Fachbetriebs im Detail.

Was ist Shīringu? Und worin liegt der Unterschied zu Kōkingu?

Shīringu (シーリング) bezeichnet ein gummiartiges Dichtungsmaterial, das in Japan auf die Fugen von Fassadenplatten (gaiheki-zai, 外壁材) sowie rund um Fensterrahmen (sasshi, サッシ) aufgetragen wird. Es erhöht die Wasser- und Luftdichtheit des Gebäudes und verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit in die Konstruktion. Zugleich wirkt es als eine Art Puffer, der das Aneinanderschlagen benachbarter Fassadenteile bei Erdbebenbewegungen abfedert.

Genau dieser letzte Punkt ist für DACH-Leser ungewohnt. Während in Deutschland, Österreich und der Schweiz Fassaden überwiegend als verputztes Mauerwerk oder Wärmedämmverbundsystem ausgeführt sind und Fugendichtung vor allem aus Bädern und dem Sanitärbereich bekannt ist, dominiert im japanischen Wohnungsbau die vorgehängte Plattenfassade (in Fertigbauweise). Die einzelnen Platten müssen sich bei den häufigen Erdbeben gegeneinander bewegen können, ohne zu brechen – und genau diese Bewegung nimmt die elastische Fuge auf. Die Fugendichtung ist in Japan damit nicht bloß Feuchtigkeitsschutz, sondern ein seismisches Bauteil. Das erklärt, warum ihr Zustand für den Werterhalt einer japanischen Immobilie unmittelbar relevant ist.

Im Übrigen sind Shīringu und Kōkingu (コーキング, von englisch caulking) praktisch dasselbe. Beide werden zum Verfüllen von Fugen und Zwischenräumen eingesetzt, und auch bei der Zusammensetzung gibt es keine wesentlichen Unterschiede. Je nach Hersteller wird lediglich die eine oder die andere Bezeichnung verwendet – vergleichbar damit, wie im Deutschen „Fugendichtstoff“ und „Dichtmasse“ nebeneinander gebraucht werden.

Welche Arten von Dichtungsmaterial gibt es?

Dichtungsmaterial wird grob in „vorgeformt“ und „formlos“ unterteilt; darüber hinaus unterscheiden sich die Eigenschaften nach dem Hauptbestandteil.

Vorgeformte und formlose Dichtung

Vorgeformte Dichtung (teikei, 定型) umfasst Bauteile mit fester Form wie Dichtungsringe und Gaskets; sie kommt in den Zwischenräumen von Armaturen und Fensterrahmen zum Einsatz. Formlose Dichtung (futeikei, 不定形) ist pastös und der Typ, der bei Fassadenanstrichen hauptsächlich verwendet wird. Anders als der DACH-Leser es aus der Kartuschenpistole für die Badezimmerfuge kennt, geht es in Japan bei der formlosen Dichtung meist um durchgehende Fugenlinien über die gesamte Fassade.

Der Unterschied zwischen Einkomponenten- und Zweikomponentensystem

Der Einkomponententyp (ichi-seibun-gata, 1成分形) benötigt keinen Härter und ist gebrauchsfertig; er eignet sich für Heimwerker (DIY). Der Zweikomponententyp (ni-seibun-gata, 2成分形) wird aus Basismasse und Härter angemischt; wird das Mischungsverhältnis falsch gewählt, härtet das Material fehlerhaft aus, weshalb dieser Typ der professionellen Verarbeitung vorbehalten ist. Da sich damit auf einmal große Mengen anmischen lassen, eignet er sich für großflächige Arbeiten. Das entspricht im Grundsatz der aus dem deutschen Handwerk bekannten Unterscheidung zwischen gebrauchsfertigem Dichtstoff und im Verhältnis anzurührenden Zweikomponentenprodukten.

Eigenschaften nach Hauptbestandteil

ArtEigenschaftenHauptsächliche Verwendung
Silikonhitze-, witterungs- und wasserbeständig, günstigNassbereiche, Ausbesserung von Dachziegeln
modifiziertes Silikonhohe Witterungsbeständigkeit, überstreichbarFassadenanstrich, Blechverarbeitung
Polyurethangünstig, gut überstreichbar, aber geringe WitterungsbeständigkeitInnenfugen (vor dem Anstrich)
Polysulfidhohe Haltbarkeit, nimmt kaum Schmutz anFassadenfugen, Fensterumrandungen
Acrylwasserbasiert, sicher und leicht zu handhaben, aber geringe Witterungsbeständigkeitkleinere Ausbesserungen im Innenbereich

Welche Verschleißbilder zeigt die Dichtung?

Zeigen sich die folgenden Symptome, sollte eine baldige Instandsetzung geprüft werden.

  • schwarze Verschmutzung (Bleeding-Phänomen): Der Weichmacher tritt an die Oberfläche, die Dichtung härtet aus und schrumpft
  • Volumenschwund: Durch Auswaschen des Weichmachers wird die Dichtung dünner, es entstehen Spalten
  • Rissbildung: feine Risse an der Oberfläche (durch Alterung oder Erdbeben verursacht)
  • Durchriss: Die Risse schreiten fort, in der Mitte entsteht ein Bruch, die Dichtfunktion geht verloren
  • Ablösung: Zwischen Fassadenplatte und Dichtungsmaterial entsteht ein Spalt
  • Abfallen: Das Dichtungsmaterial löst sich vollständig ab und die Konstruktion liegt frei

Was verursacht den Verschleiß der Dichtung?

Die drei Hauptursachen sind UV-Strahlung, physische Verformung und Verarbeitungsfehler.

Durch die langfristige Exposition gegenüber UV-Strahlung verliert das Material seine Elastizität. Durch die wiederholte Ausdehnung und Zusammenziehung infolge von Erdbeben und Wärme tritt der Zusatzstoff aus, und es kommt zum Bleeding-Phänomen sowie zur Rissbildung. Auch Verarbeitungsfehler (unzureichendes Anmischen, vergessenes Auftragen des Primers und Ähnliches) führen zu vorzeitigem Verschleiß noch vor Ablauf der Nutzungsdauer. Für DACH-Investoren ist der Erdbebenfaktor die eigentliche Besonderheit: Während in Mitteleuropa im Wesentlichen UV-Strahlung, Frost-Tau-Wechsel und Alterung die Fugen belasten, addiert sich in Japan die permanente seismische Wechselbeanspruchung hinzu – ein Grund, warum Dichtungsfugen dort tendenziell in kürzeren Zyklen erneuert werden müssen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Instandsetzung?

Als Faustregel wird die Instandsetzung der Dichtung 5 bis 10 Jahre nach der Ausführung vorgenommen. Wer erneuert, bevor die Verschleißbilder deutlich fortgeschritten sind, senkt die Kosten für die Gebäudeinstandhaltung. Dieser vorbeugende Ansatz deckt sich mit dem im deutschsprachigen Raum verbreiteten Verständnis von Instandhaltungsrücklagen: Nicht auf den Schaden warten, sondern planmäßig turnusmäßig erneuern.

Worin unterscheiden sich Uchikae (Neuverfugung) und Mashiuchi (Überfugung)?

Es gibt im Wesentlichen zwei Instandsetzungsmethoden, die je nach Situation gewählt werden.

Uchikae (Neuverfugung)

Bei der Uchikae (打ち替え) wird die gesamte vorhandene Dichtung entfernt und mit neuem Material ausgebessert. Haltbarkeit und Wasserdichtigkeit werden maximal wiederhergestellt, dafür sind Aufwand und Kosten höher. Für ein typisches zweigeschossiges Wohnhaus liegt der Richtwert inklusive Gerüstkosten bei etwa 300.000 bis 450.000 JPY (ca. 1.760 € bis ca. 2.650 € bei 170 JPY/EUR). Diese Beträge wirken für DACH-Leser niedrig, was auch am günstigeren Lohnniveau im japanischen Bauhandwerk gegenüber deutschen Handwerkerstundensätzen liegt.

Mashiuchi (Überfugung)

Bei der Mashiuchi (増し打ち) wird neues Dichtungsmaterial über die bestehende Dichtung aufgetragen. Die Kosten sind niedriger als bei der Neuverfugung (etwa 250.000 bis 350.000 JPY inklusive Gerüstkosten, ca. 1.470 € bis ca. 2.060 €), es handelt sich jedoch lediglich um eine provisorische Maßnahme. Ist die vorhandene Dichtung bereits verschlissen, haftet die neue Schicht nicht und kann sich rasch wieder ablösen. Für einen Bestandshalter, der auf langfristigen Werterhalt setzt, ist die Neuverfugung daher meist die wirtschaftlich solidere Wahl – die Überfugung eignet sich eher als Zwischenlösung, etwa bis zum nächsten ohnehin geplanten Fassadenanstrich.

Warum sollte man die Instandsetzung einem Fachbetrieb überlassen?

Aus den folgenden Gründen empfiehlt es sich, die Instandsetzung der Dichtung einem professionellen Fachbetrieb zu übertragen.

  • Risiko von Abstürzen und herabfallendem Werkzeug bei Arbeiten in großer Höhe
  • Der Ablauf umfasst viele Arbeitsschritte; wird auch nur einer ausgelassen, führt dies zu Verarbeitungsfehlern
  • Die Qualität der Ausführung wirkt sich unmittelbar auf die Haltbarkeit des Gebäudes aus

Wie wählt man einen Fachbetrieb für die Dichtungsinstandsetzung aus?

Um einen vertrauenswürdigen Betrieb zu finden, sollten die folgenden Punkte geprüft werden.

  • Umfangreiche Referenzen: Ausführungsbeispiele und die Zahl abgeschlossener Projekte prüfen
  • Sorgfältige Erläuterung: Werden Umfang, Dauer und Kosten der Arbeiten ausführlich erklärt?
  • Schnelle Reaktionszeit: Werden Fragen zügig beantwortet?
  • Möglichkeit der Bündelung: Wer Fassaden- und Dachanstrich zusammen mit der Dichtungsinstandsetzung ausführen lässt, kommt mit einer einzigen Gerüststellung aus

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F. Was ist der Unterschied zwischen Shīringu und Kōkingu?

Im Kern handelt es sich um praktisch dasselbe. Beide werden zum Verfüllen und Abdichten von Fugen und Zwischenräumen verwendet, und auch bei der Zusammensetzung gibt es keine wesentlichen Unterschiede.

F. Lässt sich die Instandsetzung der Dichtung auch in Eigenleistung (DIY) durchführen?

Bei kleineren Ausbesserungen ist es möglich, die Arbeit mit einem Einkomponenten-Dichtungsmaterial selbst zu erledigen. Da Arbeiten in großer Höhe jedoch mit Gefahren verbunden sind, sollten Tätigkeiten ab dem zweiten Obergeschoss einem Fachbetrieb überlassen werden.

F. Wie hoch sind die üblichen Kosten für eine Dichtungsinstandsetzung?

Bei der Neuverfugung liegt der übliche Richtwert für ein zweigeschossiges Wohnhaus inklusive Gerüstkosten bei etwa 300.000 bis 450.000 JPY (ca. 1.760 € bis ca. 2.650 € bei 170 JPY/EUR), bei der Überfugung bei etwa 250.000 bis 350.000 JPY (ca. 1.470 € bis ca. 2.060 €).

F. Wie lange ist die Nutzungsdauer der Dichtung?

Als Richtwert gelten in der Regel 5 bis 10 Jahre. Da dies je nach Art des verwendeten Dichtungsmaterials und den Umgebungsbedingungen variiert, ist eine regelmäßige Inspektion wichtig.

Daisuke Inazawa, President & CEO of INA&Associates Inc.

Autor

Präsident und CEOINA&Associates Inc.

Präsident und CEO der INA&Associates Inc. Verantwortet Immobilienvermittlung, Mietvermittlung und Property Management im Großraum Tokio sowie in der Region Kansai. Spezialisiert auf Investitionsstrategien für Renditeimmobilien und Beratung für ultravermögende Privatanleger.

Daisuke Inazawa ist Präsident und CEO der INA&Associates Inc., eines japanischen Immobilienunternehmens mit Hauptsitz in Osaka und einer Niederlassung in Tokio. Er verantwortet die drei Kerngeschäfte des Unternehmens — Immobilienvermittlung, Mietvermittlung und Property Management — im Großraum Tokio sowie in der Region Kansai.

Seine Expertisefelder umfassen Investitionsstrategien für ertragbringende Immobilien, Ertragsoptimierung im Mietgeschäft, Immobilienberatung für ultravermögende Privatpersonen (UHNWI) und institutionelle Investoren sowie grenzüberschreitende Immobilieninvestments. Er bietet datenbasierte Beratung mit langfristigem Horizont für Investoren in Japan und im Ausland.

Unter dem Leitbild „das wichtigste Vermögen eines Unternehmens sind seine Menschen" positioniert er INA&Associates als „Unternehmen für Investitionen in Humankapital" und engagiert sich für nachhaltige Unternehmenswertschöpfung durch die Entwicklung von Talenten. Als Unternehmer äußert er sich darüber hinaus regelmäßig zu Führung und Unternehmenskultur in Zeiten des Wandels.

Er hat elf japanische Berufsqualifikationen erworben: lizenzierter Immobilienmakler (Takken), zertifizierter Real Estate Consulting Master, lizenzierter Eigentumswohnungsverwalter, lizenzierter Supervisor für Gebäudeverwaltung, zertifizierter Mietverwalter, Gyōseishoshi (Verwaltungsjurist), zertifizierter Datenschutzbeauftragter, Brandschutzbeauftragter Klasse A, zertifizierter Spezialist für Zwangsversteigerungsimmobilien, zertifizierter Instandhaltungsingenieur für Eigentumswohnungen und lizenzierter Supervisor für Kreditgeschäfte.

  • Lizenzierter Immobilienmakler (Takken)
  • Zertifizierter Real Estate Consulting Master
  • Lizenzierter Eigentumswohnungsverwalter
  • Lizenzierter Supervisor für Gebäudeverwaltung
  • Zertifizierter Mietverwalter
  • Gyōseishoshi (Verwaltungsjurist)
  • Zertifizierter Datenschutzbeauftragter
  • Brandschutzbeauftragter Klasse A
  • Zertifizierter Spezialist für Zwangsversteigerungsimmobilien
  • Zertifizierter Instandhaltungsingenieur für Eigentumswohnungen
  • Lizenzierter Supervisor für Kreditgeschäfte