Der Markt für stundenweise mietbare Konferenzräume wächst in Japan von Jahr zu Jahr, angetrieben durch die Arbeitsreform und die zunehmende Verbreitung von Remote-Arbeit. Während der Corona-Pandemie entstand zusätzlich ein neuer Bedarf: Solche Räume wurden als Prüfungslokale oder als Studios für Webinare genutzt.
Dieser Artikel stellt anhand der Eigenschaften von Tagesbüros sowie ihrer Vor- und Nachteile für Nutzer ein praktisches Handbuch für den Betrieb eines vermieteten Konferenzraums vor. Wer sich für neue Immobilieninvestitionen oder ein Nebengeschäft in diesem Marktsegment interessiert, findet hier eine Orientierung – auch wenn die konkreten Zahlen aus dem japanischen Markt stammen und im deutschsprachigen Raum abweichen können.
Was ist ein vermieteter Konferenzraum? Eine Erklärung des Dienstleistungsmodells
Ein vermieteter Konferenzraum ist eine Fläche für Besprechungen und Meetings, die stundenweise gegen eine Gebühr zur Verfügung gestellt wird. Die notwendige Ausstattung ist bereits vorhanden, sodass Nutzer den Raum genau für die Zeit buchen können, die sie benötigen.
In den letzten Jahren hat sich das Einsatzspektrum deutlich erweitert: Einstellungstests, Informationsveranstaltungen für Berufseinsteiger, interne Schulungen, Hauptversammlungen, Vereinstreffen und Seminare gehören mittlerweile ebenso dazu. Auch Unternehmen, die ihre Bürofläche verkleinern, greifen zunehmend auf solche Räume als temporäre Besprechungsfläche zurück. Im deutschsprachigen Raum entspricht dieses Modell in etwa dem, was hierzulande unter „Tagungsraum-Vermietung“, „Business Center“ oder – in urbanen Coworking-Umgebungen – „Meetingraum-Buchung“ firmiert, etwa über Anbieter wie Design Offices, Regus oder Mindspace.
Welche Arten von vermieteten Konferenzräumen gibt es? Einteilung nach Zweck, Format und Betreibertyp
Einteilung nach Zweck
Vermietete Konferenzräume unterscheiden sich in Kapazität und Ausstattung, weshalb die Auswahl vom jeweiligen Zweck abhängt. Die wichtigsten Kategorien sind:
- Konferenzsäle (Conference Halls): Großflächige Räume mit ansteigender Bestuhlung wie in einem Hörsaal – ideal für Hauptversammlungen und internationale Konferenzen
- Konferenzräume (Conference Rooms): Kleiner als Konferenzsäle, aber mit großen Bildschirmen und vollständiger Präsentationstechnik ausgestattet – häufig für Informationsveranstaltungen genutzt
- Klassische vermietete Konferenzräume: Vergleichbar mit einem gewöhnlichen Büro-Besprechungsraum, in kleinen, mittleren und großen Größen für vielfältige Zwecke verfügbar
- Seminarräume: Auf Schulungen spezialisierte Flächen, teilweise mit flexibel veränderbarem Layout
- Mehrzweckräume (Rental Rooms): Vielseitig nutzbare Flächen, mitunter mit Küchenzeile oder sogar Karaoke-Ausstattung
Im deutschsprachigen Raum verläuft diese Unterteilung ähnlich: Große Kongresszentren und Tagungshotels entsprechen den Konferenzsälen, während kleinere Business-Center-Räume oder Coworking-Meetingräume den klassischen vermieteten Konferenzräumen nahekommen. Reine Karaoke- oder Partyraumvermietung, wie sie in Japan als Nebenangebot vorkommt, ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz hingegen eine eigenständige Branche und wird selten mit Tagesbüros kombiniert.
Einteilung nach Raumformat
Für die Bestuhlung eines vermieteten Konferenzraums gibt es folgende gängige Formate:
- Theaterbestuhlung: Alle Teilnehmer blicken nach vorn – geeignet für Vorträge und Präsentationen
- Schulbestuhlung (Klassenraum-Format): Die verbreitetste Anordnung mit Tischreihen wie im Klassenzimmer – ideal für Schulungen und Prüfungen
- Gegenüberstellung (Boardroom-Stil): Teilnehmer sitzen sich über einen Tisch hinweg gegenüber – für Verhandlungen und Vertragsgespräche
- U-Form: Tische in U-Form angeordnet, sodass der Moderator alle Teilnehmer im Blick behält
- Rechteckform (Board-of-Directors-Stil): Tische bilden ein Rechteck mit freier Mitte – für wichtige Sitzungen mit größerer Teilnehmerzahl
- Empfangsformat (Reception-Stil): Freie Möblierung – geeignet für Umtrünke und informellen Austausch
- Hufeisenform: Eine doppelte U-Form – für internationale Konferenzen und Symposien
- Inselformat (Cluster-Stil): Tische in Gruppen angeordnet – ideal für Gruppendiskussionen
- Bankettformat: Mehrere runde Tische – vielseitig einsetzbar, von Feierlichkeiten bis zu Geschäftsanlässen
Diese Formate sind weitgehend deckungsgleich mit den international gebräuchlichen Bestuhlungsvarianten, wie sie auch deutsche Tagungshotels und Kongresszentren anbieten – dort meist unter den englischen Bezeichnungen Theatre-, Classroom-, Boardroom-, U-Shape-, Hollow-Square-, Cocktail-, Horseshoe-, Cluster- und Bankett-Style geführt.
Einteilung nach Betreibertyp
Die Betreiber vermieteter Konferenzräume sind vielfältig.
- Hotels: Hochwertige Ausstattung und gute Lage, häufig kombinierbar mit Übernachtung
- Spezialisierte Anbieter von Tagesbüros: Umfangreiche Ausstattung und Service zu vergleichsweise günstigen Preisen
- Immobilienunternehmen: Häufig in bekannten Bürogebäuden gelegen, mit einem breiten Angebot an Zusatzleistungen
- Allgemeine Unternehmen: Vor allem Firmen mit eigenem Schulungsgeschäft, entsprechend gut ausgestattet für Trainingszwecke
- Kommunen und öffentliche Einrichtungen: Günstige Preise, jedoch teils eingeschränkte Ausstattung
- Private Immobilieninvestoren: Zunehmend Einzelpersonen, die den Betrieb als Nebengeschäft führen
Auch im deutschsprachigen Raum reicht das Betreiberspektrum von großen Hotelketten über spezialisierte Business-Center-Anbieter bis zu Volkshochschulen und Gemeindezentren, die Räume kostengünstig vermieten. Der Trend zum privaten Nebengeschäft, wie er in Japan zu beobachten ist, spielt in Deutschland bislang eine geringere Rolle, da hier gewerbliche Vermietungsregeln und Brandschutzauflagen für Versammlungsstätten den Einstieg für Privatpersonen erschweren.
Welche Vor- und Nachteile bietet die Nutzung eines vermieteten Konferenzraums?
Wer selbst einen Konferenzraum vermieten möchte, sollte zunächst die Vor- und Nachteile aus Nutzersicht verstehen.
Vorteile
- Reduzierte Mietkosten: Nutzung nur bei Bedarf, keine laufenden Fixkosten für einen eigenen Besprechungsraum
- Passende Größe und Format je nach Zweck: Auswahl der optimalen Fläche entsprechend Teilnehmerzahl und Nutzungsart
- Freie Standortwahl: Flexible Auswahl eines Ortes, etwa auf halbem Weg zwischen den Teilnehmern oder in Bahnhofsnähe
Nachteile
- Höhere Kosten bei häufiger Nutzung: Bei vielen Meetings kann die Anmietung teurer werden als ein eigener Raum
- Schwierige kurzfristige Verfügbarkeit: Da es sich nicht um eine feste eigene Fläche handelt, hängt die Nutzung von der Buchungslage ab
- Teilweise Besichtigung vor Ort nötig: Bei großen Teilnehmerzahlen oder Layoutänderungen empfiehlt sich eine vorherige Besichtigung, um Missverständnisse zu vermeiden
- Zusätzlicher Wegeaufwand: Der Weg vom eigentlichen Arbeitsplatz zum Konferenzraum kommt hinzu
- Mitbringen von Sonderausstattung: Alles, was über die Grundausstattung hinausgeht, muss selbst organisiert werden
Diese Abwägung ähnelt der Entscheidung zwischen einem festen Büro und flexiblen Coworking-Meetingräumen, wie sie in deutschen Großstädten zunehmend verbreitet ist: Auch dort sparen Unternehmen Fixkosten, müssen aber Verfügbarkeit und Buchungsvorlauf einplanen.
Warum hat sich der Markt für vermietete Konferenzräume so stark ausgeweitet?
Bereits vor der Corona-Pandemie wuchs dieser Markt in Japan kontinuierlich, angetrieben durch mehrere Faktoren.
- Nachfrage als Immobilieninvestition: Die Anfangsinvestition ist vergleichsweise gering, weshalb das Modell auch für Angestellte als Nebengeschäft attraktiv ist
- Ausbau der Vermittlungsportale: Plattformen wie Space Market oder Instabase erleichtern das Zusammenbringen von Vermietern und Mietern erheblich
- Verbreitung von Smartphones: Jederzeitige Informationsbeschaffung beschleunigt das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage
Eine vergleichbare Entwicklung lässt sich im deutschsprachigen Raum bei Coworking- und Flex-Office-Anbietern beobachten, die ebenfalls stark von Buchungsplattformen und mobiler Erreichbarkeit profitiert haben – allerdings mit einem Schwerpunkt auf längerfristigen Arbeitsplätzen statt auf stundenweiser Konferenzraumvermietung.
Welche Vor- und Nachteile hat der Betrieb eines vermieteten Konferenzraums?
Das Geschäft mit vermieteten Konferenzräumen ist in Japan inklusive Internetwerbekosten auf ein Marktvolumen von umgerechnet rund einer Billion Yen angewachsen.
Vorteile des Betriebs
Der größte Vorteil gegenüber dem klassischen Geschäft der Bürovermietung liegt in der besseren Ertragslage. Da eine unbestimmte Vielzahl von Nutzern angesprochen werden kann und sich die Fläche unterteilen und einzeln vermieten lässt, kommt es vor, dass sich der Ertrag auf derselben Fläche verdoppelt.
Nachteile des Betriebs
- Ständiger Nutzerwechsel: Es muss fortlaufend für neue Kunden gesorgt werden
- Laufender Betriebsaufwand: Schlüsselübergabe und Bearbeitung von Anfragen verursachen Aufwand
- Notwendigkeit der Instandhaltung: Regelmäßige Reinigung ist unerlässlich, um einen sauberen Zustand zu gewährleisten
Dieses Betreiberrisiko ist mit dem klassischen Betreiben eines Business Centers in Deutschland, Österreich oder der Schweiz vergleichbar, wo ebenfalls Rezeptionsdienst, Reinigung und Kundenwechsel laufende Kosten verursachen, die bei der Kalkulation gegen die höheren Erträge pro Quadratmeter abgewogen werden müssen.
Welche Betriebsmodelle gibt es für vermietete Konferenzräume?
Grundsätzlich gibt es zwei Wege, einen vermieteten Konferenzraum zu betreiben.
Eigenbetrieb
Bei diesem Modell schließt eine Privatperson selbst den Vertrag ab, kümmert sich um die Vorbereitung und registriert den Raum auf Vermittlungsportalen zur Kundengewinnung. Von der Beschaffung der Inneneinrichtung und Ausstattung bis zur Personaleinstellung wird alles in Eigenregie erledigt.
Beauftragung eines Betreiberunternehmens
Ein Dienstleister übernimmt die gesamte Eröffnungsphase (Standortwahl, Innenausbau, Erstellung der Buchungsseite), die Personalbeschaffung, das Buchungsmanagement, die Reinigung und die Bearbeitung von Problemfällen. Übliche Vergütungsmodelle sind Festmiete, Festhonorar oder ertragsabhängige Beteiligung.
Wie startet man den Betrieb eines vermieteten Konferenzraums? Sechs Schritte
- Marktanalyse: Prüfung der örtlichen Preisniveaus und der üblichen Ausstattung, um Alleinstellungsmerkmale zu identifizieren
- Festlegung der Nutzungsgebühr: In gut angebundenen städtischen Lagen sind für eine Kapazität von 50 Personen etwa 10.000 bis 20.000 Yen pro Stunde üblich, für 200 Personen etwa 50.000 bis 100.000 Yen
- Erstellung der Nutzungsbedingungen: Festlegung von Öffnungszeiten, Preisen, Buchungsverfahren, Stornoregeln und Haftungsbestimmungen
- Anschaffung der Ausstattung: Beschaffung von Stühlen, Tischen, Projektor, Leinwand, Mikrofonanlage und weiterem Zubehör
- Fotografie: Aussagekräftige Fotos für die Portalseiten, um sich von der Konkurrenz abzuheben
- Veröffentlichung auf Vermittlungsportalen: Nutzung von Plattformen wie Space Market, Instabase oder Kaigishitsu.com
Beispiel für Anfangsinvestition und Ertragsstruktur
| Position | Angabe |
|---|---|
| Lage | Innerhalb der Stadt Osaka, 5 Gehminuten vom nächsten Bahnhof |
| Fläche/Kapazität | 85 Quadratmeter, maximal 60 Personen |
| Anfangsinvestition | Rund 300.000 Yen (Tische, Stühle, Projektor usw.) |
| Reguläre Miete | Rund 200.000 Yen pro Monat |
| Portalnutzungsgebühr | Rund 100.000 Yen pro Monat |
| Reinigungskosten | Rund 20.000 Yen pro Monat |
| Maximaler Betriebsertrag | Rund 500.000 Yen pro Monat |
Zum Vergleich: Ein einzelner Meetingraum in einem deutschen Business Center wird häufig nach Stunden- oder Halbtagespauschalen abgerechnet, die je nach Stadt und Ausstattung stark variieren; eine direkte Umrechnung der japanischen Beträge in Euro wäre wegen unterschiedlicher Miet-, Lohn- und Nebenkostenstrukturen wenig aussagekräftig.
Fazit
Der Markt für vermietete Konferenzräume wächst weiter, und dank des reichhaltigen Angebots an Vermittlungsportalen und Betriebsdienstleistern ist der Einstieg auch für Neulinge vergleichsweise einfach. In einer Zeit, in der die Sharing Economy an Bedeutung gewinnt, wird dieses Geschäftsmodell auch als eine Form der Immobilieninvestition zunehmend beachtet. Wer die Anfangsinvestitionskosten und die Bedingungen der Mietfläche berücksichtigt, sollte den für sich passenden vermieteten Konferenzraum sorgfältig prüfen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie hoch sind die üblichen Nutzungsgebühren für einen vermieteten Konferenzraum?
In gut angebundenen städtischen Lagen sind für eine Kapazität von 50 Personen etwa 10.000 bis 20.000 Yen pro Stunde üblich, für 200 Personen etwa 50.000 bis 100.000 Yen pro Stunde. Die genauen Preise hängen von Lage und Ausstattung ab.
Wie hoch sind die Anfangskosten für den Betrieb eines vermieteten Konferenzraums?
Für Ausstattung wie Tische, Stühle und Projektor sind rund 300.000 Yen ein üblicher Richtwert. Miete für die Immobilie und Innenausbau sind hierbei nicht eingerechnet und fallen zusätzlich an.
Wie lassen sich Kunden für einen vermieteten Konferenzraum gewinnen?
Eine Veröffentlichung auf Vermittlungsportalen wie Space Market oder Instabase ist wirkungsvoll. Die Nutzungsgebühr der Portale liegt bei etwa 30 bis 35 Prozent, dafür übernehmen die Plattformen jedoch Kundengewinnung und Zahlungsabwicklung vollständig.
Worin unterscheidet sich ein vermieteter Konferenzraum von der klassischen Mietverwaltung?
Beim vermieteten Konferenzraum wird eine Fläche stundenweise vermietet, während sich die klassische Mietverwaltung auf die langfristige Vermietung von Wohn- oder Büroflächen bezieht. Zielgruppe des vermieteten Konferenzraums ist eine unbestimmte Vielzahl von Nutzern.
