Karuizawa ist nicht nur als Sommerfrische und Ausflugsziel bekannt, sondern rückt in den letzten Jahren auch zunehmend als Wohnort in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet ausführlich die Geschichte Karuizawas, den Reiz des Umzugs dorthin und die Bedingungen für Workation und ordnet den Ort zugleich aus der Perspektive einer Immobilieninvestition ein. Für Leser mit Bezug zum deutschsprachigen Raum lohnt sich dabei immer wieder der Vergleich mit Zweitwohnsitzen etwa im Schwarzwald oder in den Alpen, da Karuizawa in seiner gesellschaftlichen Funktion ganz ähnliche Fragen aufwirft.
Welche Geschichte hat Karuizawa als Sommerfrische?
Im Folgenden wird der historische Hintergrund vorgestellt, durch den Karuizawa als Sommerfrische bekannt wurde.
Die Entstehung als Sommerfrische
Der aus Kanada stammende Missionar Alexander Croft Shaw war 1886 von der schönen Natur und dem Klima Karuizawas so angetan, dass er 1888 auf dem Berg Ōtsuka im alten Ortsteil Karuizawa das erste Ferienhaus errichten ließ. 1893 entstand dort auch das erste Ferienhaus in japanischem Besitz. Mit der Eröffnung der neuen Eisenbahnlinie über den Usui-Pass nahm die Entwicklung des Ortes deutlich Fahrt auf. Ähnlich wie bei europäischen Kurorten, die im 19. Jahrhundert durch den Eisenbahnanschluss erst richtig erschlossen wurden, war auch hier die Verkehrsanbindung der entscheidende Wachstumstreiber.
Der weitere Entwicklungsweg Karuizawas
Ab etwa 1897 nahm die Zahl der Ferienhausvermietungen und Hotels zu, und in der Taishō-Zeit begannen große Kapitalgesellschaften mit der Erschließung und dem Verkauf von Grundstücken. Immer mehr japanische Sommergäste kamen, sodass die alte Einkaufsstraße von Karuizawa als „Karuizawa-Ginza“ bezeichnet wurde und entsprechend belebt war; zugleich entstanden Anlagen für Tennis, Golf und Reitsport.
Wiederaufbau und Internationalisierung nach dem Krieg
Nach dem Krieg diente der Ort den Besatzungstruppen als Erholungsgebiet, wodurch sein internationaler Charakter als Sommerfrische weiter zunahm. Bei den Olympischen Spielen von Tokio 1964 fanden hier die Reitwettbewerbe statt, und mit der Eröffnung des Hokuriku-Shinkansen 1997 verkürzte sich die Fahrzeit von Tokio auf etwa eine Stunde, was einen entscheidenden Entwicklungsschub auslöste.
Welchen Reiz hat Karuizawa zu bieten?
Karuizawa hat nicht nur als Sommerfrische, sondern auch als Lebensmittelpunkt viele Vorzüge zu bieten.
Eine reiche Natur
Man genießt den weiten Blick auf den Vulkan Asama und eine Natur, die sich mit jeder Jahreszeit verändert. Die durchschnittliche Sommertemperatur liegt bei etwa 20,5 Grad, sodass man den Sommer angenehm auch ohne Klimaanlage verbringen kann. Wer aus dem deutschsprachigen Raum kommt, kennt ein vergleichbares Klimaempfinden eher aus Mittelgebirgslagen wie dem Schwarzwald oder dem Bayerischen Wald als aus einer Großstadt in Tallage.
Ein gut ausgebautes Geschäftsangebot
Neben dem Karuizawa Prince Shopping Plaza reihen sich entlang der alten Karuizawa-Ginza-Straße individuelle Läden und Restaurants aneinander. Für den täglichen Einkauf entsteht keinerlei Mangel.
Die gute Anbindung an Tokio
Mit dem Hokuriku-Shinkansen erreicht man den Bahnhof Tokio in etwa einer Stunde und zehn Minuten. Dank der guten Anbindung an die Hauptstadt lässt sich auch eine Kombination mit Telearbeit gut umsetzen. Das entspricht in etwa der Fahrzeit, die man in Deutschland für eine ICE-Verbindung zwischen zwei benachbarten Großstädten einplanen würde.
Bildungs- und Kulturangebot
Es gibt sowohl internationale Schulen als auch private Bildungseinrichtungen, weshalb der Ort auch für Familien mit Kindern attraktiv ist. Auch Museen und Konzertsäle sind reichlich vorhanden.
Warum ziehen immer mehr Menschen nach Karuizawa?
In den letzten Jahren hat sich der Zuzug nach Karuizawa beschleunigt. Im Folgenden wird der Hintergrund dieser Entwicklung analysiert.
Die Verbreitung von Telearbeit
Seit der Corona-Pandemie hat sich Telearbeit fest etabliert, wodurch die Notwendigkeit, in der Innenstadt zu wohnen, abgenommen hat. Karuizawa liegt in einer Entfernung, die mit dem Shinkansen ein Pendeln nach Tokio erlaubt, und eignet sich damit optimal für ein hybrides Arbeitsmodell aus Pendeln und Homeoffice. Diese Entwicklung ähnelt der Debatte, die in deutschen Großstädten rund um das Pendeln aus dem Umland während und nach der Pandemie geführt wurde.
Die Verbindung von Natur und städtischer Infrastruktur
Trotz der Nähe zur reichen Natur sind Geschäfte und medizinische Einrichtungen gut ausgebaut, sodass Karuizawa eine seltene Region ist, in der sich Alltagskomfort und Naturnähe miteinander vereinbaren lassen.
Der Anstieg der Immobilienpreise
Mit der wachsenden Nachfrage nach Wohnraum steigen auch die Immobilienpreise in Karuizawa. Die Region rückt zunehmend auch als Anlageziel in den Blickpunkt.
Wie sind die Bedingungen für Workation in Karuizawa?
Auch als Ort für Workation, also die Verbindung von Arbeit und Urlaub, genießt Karuizawa hohes Ansehen.
Ein gut ausgebautes Angebot an Coworking-Spaces
Rund um den Bahnhof Karuizawa und im Gebiet von Naka-Karuizawa gibt es mehrere Coworking-Spaces mit gut ausgebautem Highspeed-Internet.
Nutzung durch Firmenschulungen und Betriebsausflüge
Weil sich in der Natur kreative Diskussionen führen lassen, nutzen immer mehr Unternehmen den Ort für Schulungen und Betriebsausflüge. Auch die Nutzung von Hotels und Ferienhäusern als Workation-Einrichtung breitet sich zunehmend aus.
Fördermaßnahmen der Gemeinde
Die Gemeinde Karuizawa setzt Fördermaßnahmen um, um Zuzug und Workation zu unterstützen. Dazu gehören der Ausbau der Telearbeitsinfrastruktur und die Einrichtung von Beratungsstellen für Umzugswillige.
Welche Besonderheiten weist der Immobilienmarkt in Karuizawa auf?
Eigenschaften der einzelnen Gebiete
| Gebiet | Eigenschaften | Preisniveau |
|---|---|---|
| Alt-Karuizawa | Traditionsreiches gehobenes Villengebiet mit der höchsten Markenkraft | Hohes Preisniveau |
| Neu-Karuizawa | Bahnhofsnah und komfortabel gelegen, gut ausgebautes Geschäftsangebot | Mittleres bis hohes Preisniveau |
| Naka-Karuizawa | Reiche Natur, bei Dauerbewohnern beliebt, nahe dem Hoshino-Gebiet | Mittleres Preisniveau |
| Minami-Karuizawa | Ruhige Umgebung, leicht großzügige Grundstücke zu finden | Mittleres bis niedriges Preisniveau |
| Oiwake und West-Karuizawa | Vergleichsweise erschwingliches Preisniveau mit Entwicklungspotenzial | Niedriges bis mittleres Preisniveau |
Worauf man beim Kauf achten sollte
In Karuizawa gelten strenge Bauvorschriften zum Schutz der natürlichen Umgebung, darunter Beschränkungen der Grundflächenzahl und der Geschossflächenzahl, Vorgaben zum Grünflächenanteil sowie Höhenbeschränkungen für Gebäude. Vor dem Kauf sollten die Satzungen der jeweiligen Gemeinde geprüft werden. Deutsche Käufer kennen ein ähnliches Prinzip aus Bebauungsplänen und Landschaftsschutzgebieten, allerdings ist in Deutschland bei einem Zweitwohnsitz zusätzlich die kommunale Zweitwohnungsteuer zu berücksichtigen, die in vielen Gemeinden erhoben wird und die laufenden Kosten eines Ferienhauses spürbar erhöhen kann. Eine vergleichbare eigenständige Zweitwohnungsteuer kennt das japanische System in dieser Form nicht.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein ganzjähriges Leben in Karuizawa möglich?
Ja, das ist möglich. Im Winter sinkt die Tiefsttemperatur auf etwa minus zehn Grad, doch in den letzten Jahren sind Heizanlagen gut ausgebaut, sodass auch die Zahl der ganzjährigen Bewohner zunimmt. Auch der Winterdienst ist gut organisiert.
Lässt sich ein Ferienhaus in Karuizawa als Anlageobjekt nutzen?
Es gibt Möglichkeiten, das Haus als Ferienhausvermietung oder als Objekt für kurzfristige Feriengäste zu nutzen. Besonders in der Sommerhochsaison ist die Nachfrage groß, sodass sich Erträge erzielen lassen. In Deutschland ist bei einer ähnlichen Nutzung als vermietete Zweitwohnung zusätzlich zu beachten, dass Einnahmen aus kurzfristiger Vermietung steuerlich erfasst werden und viele Gemeinden die Kurzzeitvermietung inzwischen genehmigungspflichtig gemacht haben.
Wie hoch sind die Kosten für ein Leben an zwei Standorten mit Tokio?
Eine Shinkansen-Zeitkarte zwischen Tokio und Karuizawa kostet etwa hunderttausend Yen im Monat. Wer überwiegend im Homeoffice arbeitet, kann die Kosten mit Rabattheften auf etwa zwanzig- bis vierzigtausend Yen im Monat begrenzen.
Werden die Immobilienpreise in Karuizawa weiter steigen?
Angesichts der Verbreitung von Telearbeit und des Trends zum Zuzug aus den Großstädten wird mittel- bis langfristig mit einer weiteren Preissteigerung gerechnet, wobei sich die Entwicklung je nach Gebiet und Objekttyp unterscheidet.
