Die Tourismusbranche erlitt 2020 durch das neue Coronavirus verheerende Einbußen. Die inländischen Reiseausgaben gingen im Vergleich zum Vorjahr um erschreckende 83,3 % zurück. Um dieser Situation zu begegnen, wurde das Konzept des „Mikrotourismus" ins Leben gerufen. Wir erläutern die Merkmale und Erfolgsbeispiele dieses neuen Reisestils, der Reiseziele im Umkreis von 1–2 Stunden vom Wohnort in den Mittelpunkt stellt.
Was ist Mikrotourismus?
Mikrotourismus bezeichnet Kurzreisen in die lokale Umgebung oder Nachbarregion im Umkreis von 1–2 Stunden vom Wohnort. Das Konzept wurde von Yoshiharu Hoshino, dem Geschäftsführer von Hoshino Resort, einem der führenden Unternehmen der Tourismusbranche, geprägt. Als „lokale Kreislaufwirtschaft des Reisens" ermöglicht es, das Infektionsrisiko zu minimieren und gleichzeitig die Tourismusnachfrage aufrechtzuerhalten.
Tourismus in der eigenen Region genießen
Reisen sind ohne Langstreckenfahrten möglich, und im Falle einer Infektion lässt sich die Lage leichter nachverfolgen. Mikrotourismus trägt nicht nur zur Erholung der Tourismuswirtschaft bei, sondern stärkt auch die lokale Wirtschaft – was dem Reisen selbst einen größeren Sinn gibt.
Die Attraktivität der Heimat neu entdecken
Lokale Traditionen und Spezialitäten, die bisher kaum beachtet wurden, können neu entdeckt werden, und auch in Regionen, die bisher nicht als Touristenziele bekannt waren, entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten.
Vernetzung mit der lokalen Bevölkerung ist entscheidend
Reisebüros, Unterkünfte, Restaurants und Produzenten – das Netzwerk vieler Menschen trägt den Tourismus. Die Stärkung des regionalen Netzwerks ist der Schlüssel zum Erfolg des Mikrotourismus.
Zwei Gründe, warum Mikrotourismus gebraucht wird
Gleichgewicht zwischen Infektionsschutz und Wirtschaftsaktivität
Die inländischen Reiseausgaben von April bis Juni 2020 gingen um 83,3 % gegenüber dem Vorjahr zurück. Auch nach der Einführung des „Go to Travel"-Programms war das Infektionsrisiko nicht ausgeschlossen. Mikrotourismus in der näheren Umgebung ermöglicht es, Langstreckenreisen zu vermeiden und dennoch die Tourismusnachfrage aufrechtzuerhalten.
Abkehr von der Abhängigkeit vom Inbound-Tourismus
Das Tourismusweißbuch der Tourismusbehörde (2018) hatte bestätigt, dass der Tourismus durch den wachsenden Strom ausländischer Besucher zu einer wichtigen Einnahmequelle für die japanische Wirtschaft geworden war. Durch die Etablierung des Mikrotourismus lässt sich die Abhängigkeit vom Inbound-Tourismus überwinden und die Tourismuswirtschaft allein durch inländische Aktivitäten stabilisieren.
Was ist notwendig, um Mikrotourismus zum Erfolg zu führen?
Die Attraktivität der Region stärken
Statt neue Einrichtungen zu bauen, ist es wichtig, die ursprüngliche Attraktivität der Region – Geschichte und Besonderheiten – zu erschließen und in Events und Konzepte umzusetzen. So lassen sich bei vertretbaren Kosten einzigartige Erlebnisse schaffen, die es nur in dieser Region gibt.
Ein Ort, der von Einheimischen geliebt wird
Wer lokale Kunden gewinnt, kann mit einfachen Wiederholungsbesuchen rechnen und so die Tourismusnachfrage stabil halten. Anders als bei einmaligen Inbound-Besuchern sorgt eine treue lokale Fangemeinde langfristig für eine stabile Betriebsführung.
3 Erfolgsbeispiele für Mikrotourismus
Präfektur Tottori: „#WeLove Tottori"-Kampagne
Nur für Einwohner der Präfektur: Unterstützung bei der Nutzung von Unterkünften und Touristenattraktionen mit bis zu 3.000 Yen pro Person. 237 Einrichtungen in der Präfektur nahmen teil, und rund 80.000 Einwohner nutzten das Angebot.
Tsukioka Onsen: „Chikatabi"
Der Tourismusverband des Onsen-Ortes Tsukioka in der Stadt Shibata (Präfektur Niigata) eröffnete eine Website, die Sehenswürdigkeiten im Umkreis von 30 Minuten bis 1 Stunde mit dem Auto vorstellt. Das Konzept stärkt den thematischen und erzählerischen Charakter des Tourismus und entfaltet auch als Instrument des regionalen Brandings Wirkung.
NIPPONIA Kosuge-Quellendorf
Im Dorf Kosuge in der Präfektur Yamanashi, etwa 2 Stunden mit dem Auto von Tokyo entfernt, wurde ein dezentrales Hotel durch die Renovierung traditioneller Bauernhäuser geschaffen. Der luftige, nicht überfüllte Stil passte perfekt zum Konzept des Mikrotourismus und erfreute sich großer Beliebtheit.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F. Wer hat den Mikrotourismus geprägt?
A. Das Konzept wurde von Yoshiharu Hoshino, dem Geschäftsführer von Hoshino Resort, als neue Form des Reisens in der Ära mit COVID entwickelt.
F. Was ist der Aktionsradius des Mikrotourismus?
A. Es geht um die lokale Umgebung oder Nachbarregion im Umkreis von 1–2 Stunden vom Wohnort.
F. Was sind die Vorteile für Immobilieneigentümer?
A. Eine steigende Tourismusnachfrage in der Region kann zu einer Wertsteigerung der umliegenden Immobilien führen und eröffnet auch neue Einnahmemöglichkeiten wie Ferienwohnungen und Serviced Apartments.